Autorin: Nnedi Okorafor
Erschienen: 14. Januar 2025
Deutsche Ausgabe: 2. Januar 2026
Inhalt: Zelu ist am Ende. Sie hat gerade ihren Job verloren, niemand will ihr Manuskript verlegen, und ihre Familie nimmt sie nur als die Außenseiterin im Rollstuhl wahr. Sie beschließt, etwas zu schreiben, was ihr sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Ihr Roman "Rusted Robots" wird zum weltweiten Megahit und schon beginnt ihre eigene Geschichte, ins Rollen zu kommen ...
„Tod der Autorin“ ist so wie das literaturwissenschaftliche Konzept ein Gedankenspiel darüber, ob die Interpretation literarischer Texte in den Händen der Leser*innen liegen und nicht in denen der Autorin.
Kapitel über Zelus Leben und Kapitel aus ihrem selbst geschriebenen Buch „Rusted Robots“ wechseln sich ab und gehen eine Synergie ein. Nnedi Okorafor gelingt es, beiden Erzählsträngen eine eigene Erzählstimme zu verleihen.
Es gibt viele Parallelen zwischen den fiktiven Romanauszügen und dem Leben der Hauptfigur, sodass man erst gar nicht sagen kann, ob „Rusted Robots“ von Zelus Leben inspiriert wurde oder ob ihr Leben sich (unfreiwillig) nach dem Roman richtet. Ein interessantes Zusammenspiel, bei dem erst sehr spät ersichtlich wird, welche Richtung es nehmen soll.
Während die fiktiven Romanausschnitte eindeutig Science-Fiction sind, gibt es im anderen Erzählstrang eine Mischung aus Gegenwartsliteratur und Near-Future-Elementen.
Genauso wie es unrealistisch ist, dass Zelu mit ihrem Roman (noch dazu in einem Genre, das sie selber eigentlich nie wirklich mochte) einen derartig überspitzt dargestellten Erfolg landet, ist es natürlich unrealistisch zu erwarten, jetzt das Allerbeste zu lesen, was man je in seinem Leben gelesen hat (so etwa wird „Rusted Robots“ in der Story dargestellt). Ausschnitte aus einem als Megahit inszenierten Romans zu präsentieren, ist dennoch gewagt, da es mit einer entsprechenden Erwartungshaltung einhergeht. Das soll nicht heißen, dass die Ausschnitte des fiktiven Romans nicht gut sind – das sind sie. Man sollte sich als Leser*in aber bewusst sein, dass dies eine bewusst übertriebene Darstellung ist, um den Plot überhaupt erst ins Rollen zu bringen. Ein Gedankenspiel sozusagen.
Darüber hinaus gibt es viele interessante Einblicke in die nigerianische Kultur, über Hürden, die Zelu sowohl als Migrantin als auch als Rollstuhlfahrerin regelmäßig überwinden muss. Das alles wird in beiden Storylines auf verschiedene Weise aufgearbeitet. Sowohl „Rusted Robots“ als auch „Tod der Autorin“ sind Romane über Identität, Körperlichkeit, die Möglichkeiten der Technik und vor allem des Erzählens.
Anfangs fiel es mir etwas schwer, Sympathie für Zelu zu empfinden, auch wenn sie mein vollstes Mitgefühl bekommt. (Oft hat sie es wirklich nicht leicht, vor allem was ihre toxische Familie angeht.) Nichtsdestotrotz ist sie eine sehr interessante, vielschichtige und auch nachvollziehbare Hauptfigur. Je länger man sich auf sie einlässt, desto besser versteht man sie.
Wie der Titel schon impliziert, verliert Zelu nach und nach die Kontrolle über ihre eigene Geschichte, aber auch über ihr eigenes Leben. Vor allem zeigt der Roman, welche Macht Erzählungen haben können und wie sich sowohl „Tod der Autorin“ als auch „Rusted Robots“ einander bedingen. Die eine Geschichte funktioniert nicht ohne die andere.



