Joe liest ...
... Phantastik in all ihren Facetten und rezensiert sie.
7. April 2026
Rezension: Prism
15. März 2026
Rezension: Mehl, Magie und Machenschaften
Erschienen: 21. Juli 2020
Deutsche Ausgabe: 17. März 2026 im Second Chances Verlag
Inhalt: Die vierzehnjährige Mona ist eine Zauberin, allerdings kann sie mit ihrer Magie höchstens Brot backen und Lebkuchenmänner tanzen lassen, was sie persönlich nicht besonders begabt findet. Als sie eines Tages eine Leiche in der Bäckerei, gerät sie plötzlich selbst ins Verhör. Nach und nach verschwinden Magier*innen. Auch Mona ist nicht mehr sicher, weil der Mörder sie als nächstes Opfer auserwählt ...
Mit „Mehl, Magie und Machenschaften“ hat sich T. Kingfisher wirklich kreativ ausgelebt, insbesondere in der Darstellung von Magie. Einen großen Pluspunkt gibt es für den einfachen, heiter-lockeren Erzählstil, der zudem sehr gut zur Protagonistin passt und immer wieder Witz in die sonst ernste Handlung bringt.
Die Handlung selbst hingegen ist eher durchwachsen. Manchmal wirkt sie konstruiert und in die Länge gezogen. Es gibt vereinzelte Kapitel, die hätte man auf ein, zwei Absätze herunterbrechen können, ohne dass Handlung oder Figurenwachstum darunter gelitten hätten. Nichtsdestotrotz hat sie auch ihre guten Momente. Die Art, wie die Magie dargestellt und mit ihr gearbeitet wird, ist sehr kreativ. Es ist toll zuzusehen, wie die Protagonistin über sich hinauswächst und in ihre eigenen Fähigkeiten vertraut.
Auch wenn der Roman für ein erwachsenes Publikum gedacht ist und Cover sowie Erzählstil ganz leichte cozy Vibes vermitteln, sehe ich ihn eher bei einem jüngeren Publikum. Trotz des Witzes ist es auch nicht wirklich ein Wohlfühlroman, da vor allem ernste Themen behandelt werden.
T. Kingfisher hat eine interessante Welt mit liebevollen Figuren geschaffen, deren Handlung aber noch ausbaufähig ist. Wer in erster Linie Wert auf ein kreatives Worldbuilding setzt, wird sicher die genannten Schwächen verzeihen können und Spaß am Lesen finden.
26. Februar 2026
Rezension: The Empress of Salt and Fortune (Die Chroniken von Chih)
Autorin: Nghi Vo
Erschienen: 24. März 2020
Deutsche Ausgabe: 2. Februar 2026 im Cross Cult Verlag
Inhalt: Nachdem ihre Armeen besiegt sind, wird die junge Adlige In-yo in den Süden geschickt. Nach der Geburt des Thronfolgers findet der Kaiser keine Verwendung mehr für sie und sie lebt abgeschieden von allen. Ihre treueste Verbündete ist ein Dienstmädchen, das einst als kleines Kind von ihren Eltern an den Palast verkauft wurde. In-yo ist fest entschlossen, zurückzuschlagen, sobald das Glück auf ihrer Seite ist ...
„The Empress of Salt and Fortune” überzeugt mit interessanten Figuren, Casual Queerness, einem chinesisch angelehnten Setting und einer gesunden Portion Female Rage. Es gibt eine klassische Rahmenhandlung, in welcher Chih als Chronist*in fungiert und verschiedene Geschichten niederschreibt. Im ersten Teil geht es um die vertriebene Kaiserin In-yo, erzählt aus der Perspektive ihrer treuen Dienerin.
Die Erzählung überzeugt weniger durch Action und mehr durch ruhige Töne. Trotz oder vielleicht auch wegen der Kürze ist der Text wirkungsvoll. Der einzige Nachteil ist, dass es gegen Ende hin ziemlich schnell geht. Da wäre ein wenig mehr Tiefe schön gewesen. Nichtsdestotrotz fand die Story einen guten, befriedigenden Abschluss.
Die fantastischen Elemente sind sehr dezent gesetzt und fügen sich gut in die Handlung ein, ohne sie zu dominieren. Es gibt z. B. sprechende Vögel, die Neixin, und Mammuts. Wahrsagen spielt eine wichtige Rolle in der Erzählung. In-yo wird trotz ihrer Lage die Herrscherin über das Glück genannt. Dass dieser Beiname nicht von ungefähr kommt, zeigt sich immer wieder dann, wenn sie in einfachen Glücksspielen gewinnt.
Eine schöne, kurzweilige Geschichte und ein guter Reihenauftakt mit Potenzial.
18. Februar 2026
Rezension: Trail to Heka
Erschienen: 31. Oktober 2023
Inhalt: »Sie haben etwas, das dir gehört :( Hole es zurück, oder sie werden es benutzen!« Mit dieser Nachricht wird Seth von einer alten Feindin nach Kanada gelockt. Er begibt sich auf die Suche nach einem Teil seiner Kräfte, der nicht in falsche Hände gelangen sollte. Von dem er sich eigentlich selbst längst losgesagt hat. Nun ist es für Seth an der Zeit, sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen ...
Es geht weiter mit der Kemet-Reihe, diesmal dreht sich alles um Seth. Während er sich vorher noch die Bühne mit Mafed teilen musste, hat er hier wieder Gelegenheit selbst zu glänzen. Nicht unbedingt äußerlich, aber er ist zweifellos eine vielschichtige und, trotz seiner vielen Unzulänglichkeiten, die den Gott (paradoxerweise) menschlich erscheinen lassen, sympathische Figur. Er handelt nicht immer richtig, manchmal möchte man ihn für sein Verhalten einfach ohrfeigen. Dennoch kann man ihn verstehen.
Wie auch in den Vorgängern kommt dieser Band nicht ohne eine Spur ägyptischer Mythologie aus. Seth ist eine wirklich interessante und gelungene Neuinterpretation des altägyptischen Gottes der Wüste und der Stürme. Er selbst strahlt nicht nur nach außen hin Chaos aus, er zieht es regelrecht an, und wenn er handelt, ist auch das Ergebnis, trotz besten Bemühens, immer chaotisch.
„Trail to Heka“ ist ein Roadtrip. Aber auch wenn wir einiges über die einzelnen Stationen in Kanada erfahren, die Seth besucht, stehen im Vordergrund von „Trail to Heka“ die Figuren. Man könnte es schon fast eher als einen Selbstfindungstrip betrachten. Ab etwa der zweiten Hälfte verliert der Roman den Roadtrip-Charakter und die Handlung wird von Spannung und Action dominiert, bis sie in ein emotionales Ende mündet – eine sehr gute, unterhaltsame Mischung.
Melanie Vogltanz hat einen sehr schönen, flüssigen Stil, der sich super lesen lässt. Ihre Stärke liegt vor allem in emotionalen Szenen. Besonders schön ist es auch, wie selbstverständlich sie mit dem Thema Queernes umgeht und wie selbstverständlich Seth damit umgeht. Wie schon in den Vorgängerbänden sind hier die Figuren mal wieder sehr vielschichtig und divers gestaltet.
„Trail to Heka“ ist eine spannende Fortsetzung der Kemet-Reihe, die zudem Lust auf mehr macht.


