20. April 2026

Rezension: Seelengrube

Titel: Seelengrube (Der letzte Schlüssel)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 20.  September 2025

Inhalt: Jule wurde mit dem Ruf geboren, einer magischen Gabe, die sie jedoch nicht besonders gut beherrscht. Also bereitet sie sich seelisch auf eine langweilige Bürokarriere und Pizzaabende vor. Ihr Pläne ändern sich jedoch, als sie sich nach einer gepatzten Mission im Verlies wiederfindet, gemeinsam mit einem riesigen Monster ...

"Seelengrube" ist eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Der Weltenbau entspricht am ehesten einer Space Opera, gespickt mit einer Prise Magie und Cyberpunk-Elementen. Die Welt ist sehr anschaulich beschrieben. Aufgewertet wird das Ganze durch die Illustrationen von Johanna Lehmert, die zur düsteren Atmosphäre passen.

Mit Jule haben wir eine sehr sympathische und vielschichte Hauptfigur. Sie hat viele kleine Fehlerchen, die sie sehr nahbar machen. Auch die Nebenfiguren sind alle interessant und divers geschrieben.

Die Romanze gliedert sich harmonisch in die Geschichte ein und ist nachvollziehbar gestaltet. Besonders erfrischend ist es, wie Marie Meier gängige Stereotypen bricht. Es gibt intime Szenen, in denen mehr auf die Gefühle der Figuren gesetzt wird anstatt auf Explizität, was ebenfalls passt.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Nach etwa einem Drittel des Buches habe ich ein wenig den Roten Faden verloren und es war nicht ganz ersichtlich, in welche Richtung die Handlung gehen soll. Das war zum Glück halb so wild, da es trotzdem interessante Einblicke in Jules Leben gibt und man viel über die Welt erfährt beim Lesen.

Das Ende stellt nochmal einiges auf Kopf und so langsam wird deutlich, worum es eigentlich geht. Jule fasst schließlich ein klares Ziel, das sie erreichen will, was es spannend macht und die Wogen für einen zweiten Teil glättet.

Alles in allem ein gelungenes Debüt mit sehr viel Liebe zum Detail.

7. April 2026

Rezension: Prism

Titel: PRISM

Autorin: Katherina Ushachov
Erschienen: 21. April 2025

Inhalt: Penelope, Sofie und Kader leben in einem Polykül und sind zeitgleich Arbeitspartner*innen, die PRISM entwickeln. PRISM ist eine Technik, mit der das Bewusstsein in eine virtuelle Realität hochgeladen wird, um so Verbrechen aufzuklären ...

Obwohl gelegentlich erwähnt wird, dass die Nutzung von PRISM moralisch fragwürdig ist, wird dies im Roman nicht wirklich exploriert. Wie PRISM funktioniert und eingesetzt werden kann, wird nur selten gezeigt. Die Arbeit der drei Figuren wird als etwas Lästiges geframet und erhält nicht viel Platz in der Erzählung, obwohl gerade das den interessanten Aspekt des ausgemacht hätte. Anstatt sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, erleben wir hier verschiedene Etappen aus dem Leben von Penelope und ihrer Tochter. Mit dabei ihre beiden Partner*innen, die etwas blass bleiben.

Was gut läuft, ist die Repräsentation. Da alle drei Hauptfiguren queere PoCs sind, haben sie zusätzliche Hürden zu bewältigen in ihrem Leben, was in der Handlung stark beleuchtet wird. Es gibt immer wieder kleinere Situationen, in denen gezeigt wird, dass die Figuren in einer heteronormativen Gesellschaft nicht gesehen werden.
Schade ist es, dass in einigen beschriebenen Situationen ausbleibt, woher die Diskriminierung rührt, da von Penelope oft eingeworfen wird, dass es an ihrer Arbeit an PRISM liegen könnte und nicht etwa an ihrer Herkunft oder Sexualität.

Interessant ist es, wie verschiedene Farbcodes in den Text eingebaut wurden. Ansonsten konnte „PRISM“ mich sprachlich nicht wirklich überzeugen, wobei ich schon deutlich Schlimmeres gelesen habe.

Gegen Ende spitzt sich die Handlung sehr schnell zu, wird aber ebenso schnell wie enttäuschend aufgelöst. Ich hätte mir letzten Endes mehr Science-Fiction und weniger Familiendrama gewünscht.

15. März 2026

Rezension: Mehl, Magie und Machenschaften

Originaltitel: A Wizard's Guide to Defensive Baking

Autorin: T. Kingfisher
Erschienen: 21. Juli 2020
Deutsche Ausgabe: 17. März 2026 im Second Chances Verlag

Inhalt: Die vierzehnjährige Mona ist eine Zauberin, allerdings kann sie mit ihrer Magie höchstens Brot backen und Lebkuchenmänner tanzen lassen, was sie persönlich nicht besonders begabt findet. Als sie eines Tages eine Leiche in der Bäckerei, gerät sie plötzlich selbst ins Verhör. Nach und nach verschwinden Magier*innen. Auch Mona ist nicht mehr sicher, weil der Mörder sie als nächstes Opfer auserwählt ... 

Mit „Mehl, Magie und Machenschaften“ hat sich T. Kingfisher wirklich kreativ ausgelebt, insbesondere in der Darstellung von Magie. Einen großen Pluspunkt gibt es für den einfachen, heiter-lockeren Erzählstil, der zudem sehr gut zur Protagonistin passt und immer wieder Witz in die sonst ernste Handlung bringt.

Die Handlung selbst hingegen ist eher durchwachsen. Manchmal wirkt sie konstruiert und in die Länge gezogen. Es gibt vereinzelte Kapitel, die hätte man auf ein, zwei Absätze herunterbrechen können, ohne dass Handlung oder Figurenwachstum darunter gelitten hätten. Nichtsdestotrotz hat sie auch ihre guten Momente. Die Art, wie die Magie dargestellt und mit ihr gearbeitet wird, ist sehr kreativ. Es ist toll zuzusehen, wie die Protagonistin über sich hinauswächst und in ihre eigenen Fähigkeiten vertraut.

Auch wenn der Roman für ein erwachsenes Publikum gedacht ist und Cover sowie Erzählstil ganz leichte cozy Vibes vermitteln, sehe ich ihn eher bei einem jüngeren Publikum. Trotz des Witzes ist es auch nicht wirklich ein Wohlfühlroman, da vor allem ernste Themen behandelt werden.

T. Kingfisher hat eine interessante Welt mit liebevollen Figuren geschaffen, deren Handlung aber noch ausbaufähig ist. Wer in erster Linie Wert auf ein kreatives Worldbuilding setzt, wird sicher die genannten Schwächen verzeihen können und Spaß am Lesen finden.


26. Februar 2026

Rezension: The Empress of Salt and Fortune (Die Chroniken von Chih)

Originaltitel: The Empress of Salt and Fortune. The Singing Hills Cycle 1

Autorin: Nghi Vo
Erschienen: 24. März 2020

Deutsche Ausgabe: 2. Februar 2026 im Cross Cult Verlag

Inhalt: Nachdem ihre Armeen besiegt sind, wird die junge Adlige In-yo in den Süden geschickt. Nach der Geburt des Thronfolgers findet der Kaiser keine Verwendung mehr für sie und sie lebt abgeschieden von allen. Ihre treueste Verbündete ist ein Dienstmädchen, das einst als kleines Kind von ihren Eltern an den Palast verkauft wurde. In-yo ist fest entschlossen, zurückzuschlagen, sobald das Glück auf ihrer Seite ist ...

„The Empress of Salt and Fortune” überzeugt mit interessanten Figuren, Casual Queerness, einem chinesisch angelehnten Setting und einer gesunden Portion Female Rage. Es gibt eine klassische Rahmenhandlung, in welcher Chih als Chronist*in fungiert und verschiedene Geschichten niederschreibt. Im ersten Teil geht es um die vertriebene Kaiserin In-yo, erzählt aus der Perspektive ihrer treuen Dienerin.

Die Erzählung überzeugt weniger durch Action und mehr durch ruhige Töne. Trotz oder vielleicht auch wegen der Kürze ist der Text wirkungsvoll. Der einzige Nachteil ist, dass es gegen Ende hin ziemlich schnell geht. Da wäre ein wenig mehr Tiefe schön gewesen. Nichtsdestotrotz fand die Story einen guten, befriedigenden Abschluss.

Die fantastischen Elemente sind sehr dezent gesetzt und fügen sich gut in die Handlung ein, ohne sie zu dominieren. Es gibt z. B. sprechende Vögel, die Neixin, und Mammuts. Wahrsagen spielt eine wichtige Rolle in der Erzählung. In-yo wird trotz ihrer Lage die Herrscherin über das Glück genannt. Dass dieser Beiname nicht von ungefähr kommt, zeigt sich immer wieder dann, wenn sie in einfachen Glücksspielen gewinnt.

Eine schöne, kurzweilige Geschichte und ein guter Reihenauftakt mit Potenzial.