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7. April 2026

Rezension: Prism

Titel: PRISM

Autorin: Katherina Ushachov
Erschienen: 21. April 2025

Inhalt: Penelope, Sofie und Kader leben in einem Polykül und sind zeitgleich Arbeitspartner*innen, die PRISM entwickeln. PRISM ist eine Technik, mit der das Bewusstsein in eine virtuelle Realität hochgeladen wird, um so Verbrechen aufzuklären ...

Obwohl gelegentlich erwähnt wird, dass die Nutzung von PRISM moralisch fragwürdig ist, wird dies im Roman nicht wirklich exploriert. Wie PRISM funktioniert und eingesetzt werden kann, wird nur selten gezeigt. Die Arbeit der drei Figuren wird als etwas Lästiges geframet und erhält nicht viel Platz in der Erzählung, obwohl gerade das den interessanten Aspekt des ausgemacht hätte. Anstatt sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, erleben wir hier verschiedene Etappen aus dem Leben von Penelope und ihrer Tochter. Mit dabei ihre beiden Partner*innen, die etwas blass bleiben.

Was gut läuft, ist die Repräsentation. Da alle drei Hauptfiguren queere PoCs sind, haben sie zusätzliche Hürden zu bewältigen in ihrem Leben, was in der Handlung stark beleuchtet wird. Es gibt immer wieder kleinere Situationen, in denen gezeigt wird, dass die Figuren in einer heteronormativen Gesellschaft nicht gesehen werden.
Schade ist es, dass in einigen beschriebenen Situationen ausbleibt, woher die Diskriminierung rührt, da von Penelope oft eingeworfen wird, dass es an ihrer Arbeit an PRISM liegen könnte und nicht etwa an ihrer Herkunft oder Sexualität.

Interessant ist es, wie verschiedene Farbcodes in den Text eingebaut wurden. Ansonsten konnte „PRISM“ mich sprachlich nicht wirklich überzeugen, wobei ich schon deutlich Schlimmeres gelesen habe.

Gegen Ende spitzt sich die Handlung sehr schnell zu, wird aber ebenso schnell wie enttäuschend aufgelöst. Ich hätte mir letzten Endes mehr Science-Fiction und weniger Familiendrama gewünscht.

26. Februar 2026

Rezension: The Empress of Salt and Fortune (Die Chroniken von Chih)

Originaltitel: The Empress of Salt and Fortune. The Singing Hills Cycle 1

Autorin: Nghi Vo
Erschienen: 24. März 2020

Deutsche Ausgabe: 2. Februar 2026 im Cross Cult Verlag

Inhalt: Nachdem ihre Armeen besiegt sind, wird die junge Adlige In-yo in den Süden geschickt. Nach der Geburt des Thronfolgers findet der Kaiser keine Verwendung mehr für sie und sie lebt abgeschieden von allen. Ihre treueste Verbündete ist ein Dienstmädchen, das einst als kleines Kind von ihren Eltern an den Palast verkauft wurde. In-yo ist fest entschlossen, zurückzuschlagen, sobald das Glück auf ihrer Seite ist ...

„The Empress of Salt and Fortune” überzeugt mit interessanten Figuren, Casual Queerness, einem chinesisch angelehnten Setting und einer gesunden Portion Female Rage. Es gibt eine klassische Rahmenhandlung, in welcher Chih als Chronist*in fungiert und verschiedene Geschichten niederschreibt. Im ersten Teil geht es um die vertriebene Kaiserin In-yo, erzählt aus der Perspektive ihrer treuen Dienerin.

Die Erzählung überzeugt weniger durch Action und mehr durch ruhige Töne. Trotz oder vielleicht auch wegen der Kürze ist der Text wirkungsvoll. Der einzige Nachteil ist, dass es gegen Ende hin ziemlich schnell geht. Da wäre ein wenig mehr Tiefe schön gewesen. Nichtsdestotrotz fand die Story einen guten, befriedigenden Abschluss.

Die fantastischen Elemente sind sehr dezent gesetzt und fügen sich gut in die Handlung ein, ohne sie zu dominieren. Es gibt z. B. sprechende Vögel, die Neixin, und Mammuts. Wahrsagen spielt eine wichtige Rolle in der Erzählung. In-yo wird trotz ihrer Lage die Herrscherin über das Glück genannt. Dass dieser Beiname nicht von ungefähr kommt, zeigt sich immer wieder dann, wenn sie in einfachen Glücksspielen gewinnt.

Eine schöne, kurzweilige Geschichte und ein guter Reihenauftakt mit Potenzial.

21. Oktober 2025

Rezension: Dornenhecke

Originaltitel: Thornhedge

Autorin: T. Kingfisher
Erschienen: 15. August 2023
Deutsche Ausgabe: 6. Oktober 2025 (bei Cross Cult)

Inhalt: Hinter einer Dornenhecke verbirgt sich eine Burg. Darin schläft eine Prinzessin. In dieser Geschichte geht es um Krötling, die einst von Feen entführt wurde, nun selbst als Fee dienen muss und seit zweihundert Jahren über die Dornenhecke wacht, hinter der die Prinzessin liegt ...

"Dornenhecke" ist eine interessante, subversive Interpretation von Dornröschen, die mich sehr unterhalten hat.

Als Heldin der Geschichte lernen wir die Fee Krötling kennen sowie den Ritter Halim, der ihren "Fluch" brechen will. Beide sind unperfekt und gerade das macht sie so perfekt für die Geschichte. Besonders Krötling schließt man schnell ins Herz.

Es gibt zwei miteinander gut verknüpfte Erzählebenen. Durch das Zusammentreffen von Krötling mit dem Ritter erfahren Leser:innen nach und nach von den Umständen, die dazu führten, dass Krötling über die Dornenhecke und die Burg dahinter wacht. Man kann sich schon recht früh in etwa denken, was los ist. Es macht dennoch Spaß, der Story zu folgen. Kingfisher beschreibt die Welt sehr ansprechend und trotz vieler bekannter Elemente auf originelle, witzige Weise. Einzig das Ende wirkte etwas übereilt. Da hätten der Erzählung sicher ein paar Seiten mehr gutgetan.

Insgesamt wäre Potential für mehr drin gewesen, gerade weil das Worldbuilding sehr schön und märchenhaft ist. Nichtsdestotrotz ist "Dornenhecke" ein unterhaltsamer Kurzroman mit einer liebenswürdigen Heldin.