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24. Juli 2026

Rezension: Stadt der Tiefe

Titel: Der Hüter. Stadt der Tiefe

Autorin: Jasmin Jülicher
Erschienen: 23. Juni 2017

Inhalt: Nach einem flächendeckenden Krieg haben sich die verbliebenden Menschen in die Unterwasserstadt Biota zurückgezogen. Obwohl in dieser Stadt das Böse mithilfe von genetischer Manipulation ausgelöscht wurde, wird sie plötzlich von einer Mordserie erschüttert. Entgegen dem Willen der Oberen, die das Ganze vor der Bevölkerung geheim halten will, beginnt der oberste Hüter Alexander gemeinsam mit der Biologin Nic Ermittlungen ... 

Ich mag die Unterwasserstadt, die mich zunächst sehr an Bioshock erinnerte und auch ähnliche Vibes versprüht, aber eher in Richtung Steampunk geht. Ich hätte mir sogar noch etwas mehr Unterwasser-Atmosphäre gewünscht.

Nichtsdestotrotz ist Biota sehr interessant gestaltet, wenn auch nicht jedes kleinste Detail logisch ist. Dadurch, dass es sich um eine alternative Zeitlinie handelt, kann man auch damit rechnen, dass einige geschichtliche Ereignisse oder Erfindungen zeitlich anders eingeordnet werden. Es gibt sogar einige reale Personen, die hier ihr fiktives Pendant finden. Allerdings besitzen sie im Roman ganz andere Charakterzüge.

Beim Plot handelt es sich um einen sehr klassischen Krimifall, der jetzt nicht unbedingt außergewöhnlich ist, aber auch nicht schlecht (mit Jack the Ripper-Parallelen).

Da die Hauptfigur keinerlei Erfahrung im Aufklären von Mordfällen hat (seine einzige Wissensquelle ist ein „Sherlock Holmes“-Roman), verlaufen die Ermittlungen eher schleppend. Trotz der Umstände hätte meiner Meinung nach ruhig mehr Spannung aufkommen können. Das Ende wirkt dann recht enttäuschend, weil entscheidende Hinweise fehlen, die Rückschlüsse über die Identität des Mörders zulassen.

Leider gibt es ein paar Unstimmigkeiten, z. B. sollen die Mordfälle unter Verschluss gehalten werden, aber je mehr Morde passieren und je mehr Menschen in die Ermittlungen involviert werden, desto unrealistischer wirkt es, dass niemand Verdacht schöpft.

„Stadt der Tiefe“ punktet in erster Linie mit einem interessanten und speziellen Worldbuilding in Steampunk-Optik. Der Plot hat leider nicht überzeugt.

Rezension: Meister der Dschinn

Originaltitel: A Master of Djinn

Autor: P. Djèlí Clark
Erschienen: 11. Mai 2021
Deutsche Ausgabe: 04. September 2023

Inhalt: Der Mord an einer geheimen Bruderschaft erschüttert Kairo des frühen 20. Jahrhunderts. Der Mörder behauptet, al-Dschahiz zu sein, der einst die Magie nach Ägypten gebracht hatte. Fatma, jüngste Agentin des Ministeriums für Übernatürliches, wird beauftragt, diesem Fall auf den Grund zu gehen ...

Wenn ich mir von einem beliebigen Buch, das ich gelesen habe, eine Verfilmung wünschen könnte, dann diese hier – sowohl visuell als auch vom Pacing her wäre es einfach genial! „Meister der Dschinn“ besticht mit einer dichten Atmosphäre eines steampunkigen Ägyptens des frühen 20. Jahrhunderts. Clark spielt mit Geschlechterklischees, hinterfragt rassistische Strukturen und packt all das in eine spannende, actiongeladene Story.

Bis auf wenige leicht ausschweifende Umgebungsbeschreibungen bleibt der Stil auf den Punkt und sorgt für ein schnelles Erzähltempo. Zwischen den actionreichen Szenen gibt es auch ruhige Momente, die für eine perfekte Balance sorgen.

Obwohl der Täter sehr früh ein Geständnis abgibt, bleibt es spannend, denn man weiß praktisch nichts über den Mann mit Maske und dessen Motive. Was wie ein Kriminalfall beginnt, endet in einem rasanten Katz- und Mausspiel zwischen Fatma und dem Unbekannten, das von einigen Rückschlägen gezeichnet ist.

Der Krimianteil kommt nicht ganz ohne Klischees aus. So ist Fatma beispielsweise die typische Eigenbrötlerin, die anfangs lieber allein ermittelt, ehe sie sich ihrem Schicksal ergibt. Fatma wirkt neben anderen wichtigen Figuren aufgrund ihrer typischen Ermittlerart vielleicht etwas blass, aber sie funktioniert als Hauptfigur, indem sie den Plot vorantreibt.

Die Kombination aus arabischer Mythologie, Krimi und Historie sorgt für eine originelle Story. Dazu kommen die dynamischen Actionszenen und ein spannender Fall. Definitiv ein Highlight!

11. Oktober 2025

Rezension: Nebby Dove

Titel: Nebby Dove - Gefährliche Winde

Autorin: Veronica Carver
Erschienen: 31. Juli 2025 im Wunderzeilen Verlag

Inhalt: Die Aeronautin Tracy Kane jagt einem sagenumwobenen Himmelswal hinterher. Dieselben Pläne verfolgt jedoch auch der berüchtigte Luftpirat Captain Magnus Woodleg. Es beginnt ein ein rasanter Wettlauf und ein Abenteuer, das Tracy nicht allein bestreiten kann. Auf ihrer Reise trifft sie u. a. auf einen geflohenen Piraten, ein Musikertrio und auf eine gerissene Ingenieurin ...

Manchmal gibt es Bücher, bei denen ich gar nicht so richtig weiß, was man daran kritisieren könnte, weil es eben kaum was zu kritisieren gibt. "Nebby Dove" ist ein durchweg unterhaltsames Buch. Es hat sozusagen genau das, was ich für eine runde Story brauche – ein wenig Action, ein wenig Liebe, eine einzigartige Welt, interessante Charaktere, eine Prise Humor und Piraten.

Besonders schön ist es, wie viel Wert Veronica Carver auf Diversität legt, die innerhalb der Welt als selbstverständlich wahrgenommen wird, nicht ohne auch etwas Gesellschaftskritik zu üben. Es gibt Queerness, Behinderungen, verschiedene Ethnien. Selbst Tiermenschen, Arkanier genannt, finden in der Welt von "Nebby Dove" einen Platz. Sehr gut fand ich vor allem den sapphischen Romance-Subplot.

Die Welt wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt. Die Beschreibungen verleihen dem Roman eine dichte, steampunkige Atmosphäre, was einem gleich ein Bild vor dem geistigen Auge schafft. Perfekt, um in eine neue, eigentümliche eintauchen zu wollen.

Genauso eigentümlich ist auch der Charakter der Protagonistin Tracy. Sie hat zudem einen hohen Tatendrang, was sie zu einer idealen Hauptfigur macht. Ebenso die anderen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und irgendwie schließt man die gesamte Truppe schnell ins Herz.
Besonders gelungen an „Nebby Dove“ ist das Pacing. Es gibt eine gesunde Mischung aus ruhigen und actionreichen Szenen sowie einen sehr guten Spannungsbogen, was sehr zum Lesefluss beiträgt.

Insgesamt kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.