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25. Juli 2026

Rezension: Fusheng Dinghai Records 1

Originaltitel: 定海浮生录 (Dinghai Fusheng Lu) 
Autor: Fei Tian Ye Xiang

Erschienen: 01. Januar 2021
Deutsche Ausgabe: 01. Juni 2026

Inhalt: Einst war das antike China von Magie durchzogen. Jetzt liegt es am jungen Chen Xing, dem letzten Exorzisten, sie zurückzuholen und das Land vor der Apokalypse zu bewahren. Seine einzige Waffe ist die Herzenslampe, mit deren Hilfe er seinen Schutzpatron erwählt. Die Wahl fällt ausgerechnet auf den grimmigen Krieger Xiang Shu, der überhaupt keine Lust darauf hat, die Welt zu retten ...

„Dinghai Fusheng Records“ braucht ein wenig, bis es einen fesselt. Aber das Warten lohnt sich, denn die Story wirkt interessant und vielversprechend. Als Setting hat Fei Tian Ye Xiang das antike China (4. Jh.) ausgewählt, welches einst von Magie durchzogen war und sehr detailreich geschildert wird.

Die beiden Protagonisten funktionieren durch ihre Gegensätzlichkeiten gut. Chen Xings unbedachte, naive Art sorgt immer mal wieder für Lacher, was den düsteren Grundton des Buches auflockert.

Die Lovestory entwickelt sich sehr langsam und ist eindeutig etwas für Fans von Slow Burn. Da es sich bei „Dinghai Fusheng Records“ um eine mehrteilige Reihe handelt sollte man hier viel Geduld mitbringen. Es gibt ein paar witzige Neckereien zwischen den beiden Hauptfiguren, ansonsten können sich die beiden zu Beginn nicht besonders leiden. 

Besonders positiv hervorzuheben ist die Repräsentation, die sogar historisch eingebettet wird. Zentral für die Story sind die Spannungen zwischen den Han und den verschiedenen nomadischen Hu-Stämmen. Unter denen ist Homo- und Bisexualität weit verbreitet und wird von vielen als selbstverständlich betrachtet (unter den Han hingegen gilt diese Lebensweise eher als barbarisch). Schade ist nur, dass weibliche Figuren hier etwas zu kurz kommen.

Der Stil ist einfach gehalten und angenehm zu lesen. Einzig die Infodumps stören das Leseerlebnis. Es gibt unglaublich viel historisches Wissen, das der Autor weitergibt, was einerseits sehr interessant ist und dabei hilft, die Konflikte in der Reihe besser zu verstehen. Nur leider werden diese Fakten oft sehr trocken heruntergeleiert und verlangen einem gelegentlich viel Geduld ab. Dafür gibt es am Ende ein Glossar.

Trotzdem aber ist es ein vielversprechender Auftakt!

24. Juli 2026

Rezension: Meister der Dschinn

Originaltitel: A Master of Djinn

Autor: P. Djèlí Clark
Erschienen: 11. Mai 2021
Deutsche Ausgabe: 04. September 2023

Inhalt: Der Mord an einer geheimen Bruderschaft erschüttert Kairo des frühen 20. Jahrhunderts. Der Mörder behauptet, al-Dschahiz zu sein, der einst die Magie nach Ägypten gebracht hatte. Fatma, jüngste Agentin des Ministeriums für Übernatürliches, wird beauftragt, diesem Fall auf den Grund zu gehen ...

Wenn ich mir von einem beliebigen Buch, das ich gelesen habe, eine Verfilmung wünschen könnte, dann diese hier – sowohl visuell als auch vom Pacing her wäre es einfach genial! „Meister der Dschinn“ besticht mit einer dichten Atmosphäre eines steampunkigen Ägyptens des frühen 20. Jahrhunderts. Clark spielt mit Geschlechterklischees, hinterfragt rassistische Strukturen und packt all das in eine spannende, actiongeladene Story.

Bis auf wenige leicht ausschweifende Umgebungsbeschreibungen bleibt der Stil auf den Punkt und sorgt für ein schnelles Erzähltempo. Zwischen den actionreichen Szenen gibt es auch ruhige Momente, die für eine perfekte Balance sorgen.

Obwohl der Täter sehr früh ein Geständnis abgibt, bleibt es spannend, denn man weiß praktisch nichts über den Mann mit Maske und dessen Motive. Was wie ein Kriminalfall beginnt, endet in einem rasanten Katz- und Mausspiel zwischen Fatma und dem Unbekannten, das von einigen Rückschlägen gezeichnet ist.

Der Krimianteil kommt nicht ganz ohne Klischees aus. So ist Fatma beispielsweise die typische Eigenbrötlerin, die anfangs lieber allein ermittelt, ehe sie sich ihrem Schicksal ergibt. Fatma wirkt neben anderen wichtigen Figuren aufgrund ihrer typischen Ermittlerart vielleicht etwas blass, aber sie funktioniert als Hauptfigur, indem sie den Plot vorantreibt.

Die Kombination aus arabischer Mythologie, Krimi und Historie sorgt für eine originelle Story. Dazu kommen die dynamischen Actionszenen und ein spannender Fall. Definitiv ein Highlight!

9. Juni 2026

Rezension: Totennacht

Titel: Totennacht. Mafed kehrt zurück

Autorin: Jenny Wood
Erschienen: 18. September 2025 (Neuauflage)

Inhalt: Mafed kehrt nach New York zurück, um gemeinsam mit Ian Barnell einen Serienmörder zu fassen, der jungen Frauen die Augen stiehlt. Doch das zerrüttete Verhältnis zwischen den beiden könnten den Ermittlungen im Weg stehen, genauso wie Mafeds Dämonen aus der Vergangenheit ... 

Nachdem Mafed New York am Ende von „Totenfluch“ kurzerhand verlassen hat, kehrt er nun endlich zurück, um sich mit Barnell zu versöhnen – wurde auch höchste Zeit. Es gibt außerdem einen neuen Fall zu lösen, neue Herausforderungen, neue Gottheiten.

Auch Seth ist wieder dabei durch kurze Szeneneinschübe, durch die „Totennacht“ und „Trail to Heka“ miteinander verknüpft werden.

„Totennacht“ ist nicht unbedingt der stärkste Teil der Kemet-Reihe, was an der einen oder anderen Länge liegt und an dem überschaubaren Krimi-Anteil. Dafür überzeugt er auf emotionaler Ebene. Die Beziehung zwischen Mafed und Ian Barnell erlebt hier endlich ihren Höhepunkt.

Es gibt ein paar erotische Szenen, wie im ersten Band, darauf sollte man sich einstellen. Sie sind aber nicht allzu explizit, sodass man sich selbst gut ein Bild dazu machen kann. Wer sie im ersten Band mochte, wird sie auch hier mögen.

Die Romanze dominiert in diesem Band. Die Handlung spielt sich vor allem auf Figurenebene ab und gibt ihnen viel Raum, um sich zu entwickeln. Dafür kommt – ähnlich fast wie in „Totenfluch“ – der Krimi etwas zu kurz. Der Fall schreitet in kleinen Schritten voran, bis Leser*innen schließlich relativ früh herausfinden können, wer der Mörder ist. Es gibt eindeutige Hinweise, und aufgrund des überschaubaren Figurenensembles kommen nicht viele Verdächtige infrage. Sehr schade, aber auch eine Geschmackssache.

Alles in allem ist „Totennacht“ ein unterhaltsamer, lesenswerter Roman, der sowohl mit Gefühl als auch mit Spannung punktet. Ein guter zweiter Band, der nicht ganz an den Vorgänger herankommt, aber dennoch seinen Charme hat.

 

6. Mai 2026

Rezension: Funkenflug

Titel: Funkenflug (Der letzte Schlüssel 2)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 06. Mai 2026

Inhalt: Jule setzt alles daran, Mika und Kestrel aus den Klauen der Avatare zu befreien. Sie findet alte und neue Verbündete, die sie dabei unterstützen, ihre verborgenen Kräfte zu meistern und sie ihrem Ziel etwas näherzubringen. Als sie ihren Widersachern erneut gegenübersteht, erfährt sie eine Wahrheit, die alles auf den Kopf stellt ...

Vieles, was „Seelengrube“ ausmacht, findet sich im Nachfolger wieder: tolle Charaktere, ein ansprechender Stil sowie das detailreiche Worldbuilding, auf welches hier noch weiter eingegangen wird. „Funkenflug“ hält das Niveau des ersten Bandes und beweist mal wieder, wie gut der Genremix funktioniert.

Erneut begleiten wir Jule dabei, wie sie fleißig trainiert, um es bald mit den Avataren aufnehmen zu können. Zeitgleich erfahren wir mehr von der Rebellion gegen Arges, was eine neue Dynamik in die Story bringt. Fragen aus dem ersten Teil werden beantwortet, dafür werden wieder neue aufgeworfen.
Anfangs plänkelt die Handlung etwas vor sich hin, später wird es umso spannender. Höhepunkt und Ende sind sehr gelungen. Insgesamt ist „Funkenflug“ actionreicher als der Vorgänger. Die schnellen Szenen wechseln sich gekonnt ab mit ruhigen und emotionalen, zwischendrin auch immer wieder eine Prise Romantik.

Es gibt Wiedersehen mit Figuren des ersten Teils, die mir sehr gefielen, und mit ihnen einige sehr schöne Szenen. „Funkenflug“ hat wieder viele interessante Figuren, darunter bekannte wie auch neue.

Etwas komisch finde ich es, dass die Hände der Avatare (was sicher ein anspruchsvoller Job ist) nebenher noch Zeit haben, in der Zitadelle zu unterrichten. Sollten sie sich nicht vollumfänglich um den Schutz ihrer Gött*innen kümmern? Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Vielleicht klärt sich das auch noch.

20. April 2026

Rezension: Seelengrube

Titel: Seelengrube (Der letzte Schlüssel)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 20.  September 2025

Inhalt: Jule wurde mit dem Ruf geboren, einer magischen Gabe, die sie jedoch nicht besonders gut beherrscht. Also bereitet sie sich seelisch auf eine langweilige Bürokarriere und Pizzaabende vor. Ihr Pläne ändern sich jedoch, als sie sich nach einer gepatzten Mission im Verlies wiederfindet, gemeinsam mit einem riesigen Monster ...

"Seelengrube" ist eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Der Weltenbau entspricht am ehesten einer Space Opera, gespickt mit einer Prise Magie und Cyberpunk-Elementen. Die Welt ist sehr anschaulich beschrieben. Aufgewertet wird das Ganze durch die Illustrationen von Johanna Lehmert, die zur düsteren Atmosphäre passen.

Mit Jule haben wir eine sehr sympathische und vielschichte Hauptfigur. Sie hat viele kleine Fehlerchen, die sie sehr nahbar machen. Auch die Nebenfiguren sind alle interessant und divers geschrieben.

Die Romanze gliedert sich harmonisch in die Geschichte ein und ist nachvollziehbar gestaltet. Besonders erfrischend ist es, wie Marie Meier gängige Stereotypen bricht. Es gibt intime Szenen, in denen mehr auf die Gefühle der Figuren gesetzt wird anstatt auf Explizität, was ebenfalls passt.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Nach etwa einem Drittel des Buches habe ich ein wenig den Roten Faden verloren und es war nicht ganz ersichtlich, in welche Richtung die Handlung gehen soll. Das war zum Glück halb so wild, da es trotzdem interessante Einblicke in Jules Leben gibt und man viel über die Welt erfährt beim Lesen.

Das Ende stellt nochmal einiges auf Kopf und so langsam wird deutlich, worum es eigentlich geht. Jule fasst schließlich ein klares Ziel, das sie erreichen will, was es spannend macht und die Wogen für einen zweiten Teil glättet.

Alles in allem ein gelungenes Debüt mit sehr viel Liebe zum Detail.

7. April 2026

Rezension: Prism

Titel: PRISM

Autorin: Katherina Ushachov
Erschienen: 21. April 2025

Inhalt: Penelope, Sofie und Kader leben in einem Polykül und sind zeitgleich Arbeitspartner*innen, die PRISM entwickeln. PRISM ist eine Technik, mit der das Bewusstsein in eine virtuelle Realität hochgeladen wird, um so Verbrechen aufzuklären ...

Obwohl gelegentlich erwähnt wird, dass die Nutzung von PRISM moralisch fragwürdig ist, wird dies im Roman nicht wirklich exploriert. Wie PRISM funktioniert und eingesetzt werden kann, wird nur selten gezeigt. Die Arbeit der drei Figuren wird als etwas Lästiges geframet und erhält nicht viel Platz in der Erzählung, obwohl gerade das den interessanten Aspekt des ausgemacht hätte. Anstatt sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, erleben wir hier verschiedene Etappen aus dem Leben von Penelope und ihrer Tochter. Mit dabei ihre beiden Partner*innen, die etwas blass bleiben.

Was gut läuft, ist die Repräsentation. Da alle drei Hauptfiguren queere PoCs sind, haben sie zusätzliche Hürden zu bewältigen in ihrem Leben, was in der Handlung stark beleuchtet wird. Es gibt immer wieder kleinere Situationen, in denen gezeigt wird, dass die Figuren in einer heteronormativen Gesellschaft nicht gesehen werden.
Schade ist es, dass in einigen beschriebenen Situationen ausbleibt, woher die Diskriminierung rührt, da von Penelope oft eingeworfen wird, dass es an ihrer Arbeit an PRISM liegen könnte und nicht etwa an ihrer Herkunft oder Sexualität.

Interessant ist es, wie verschiedene Farbcodes in den Text eingebaut wurden. Ansonsten konnte „PRISM“ mich sprachlich nicht wirklich überzeugen, wobei ich schon deutlich Schlimmeres gelesen habe.

Gegen Ende spitzt sich die Handlung sehr schnell zu, wird aber ebenso schnell wie enttäuschend aufgelöst. Ich hätte mir letzten Endes mehr Science-Fiction und weniger Familiendrama gewünscht.

26. Februar 2026

Rezension: The Empress of Salt and Fortune (Die Chroniken von Chih)

Originaltitel: The Empress of Salt and Fortune. The Singing Hills Cycle 1

Autorin: Nghi Vo
Erschienen: 24. März 2020

Deutsche Ausgabe: 2. Februar 2026 im Cross Cult Verlag

Inhalt: Nachdem ihre Armeen besiegt sind, wird die junge Adlige In-yo in den Süden geschickt. Nach der Geburt des Thronfolgers findet der Kaiser keine Verwendung mehr für sie und sie lebt abgeschieden von allen. Ihre treueste Verbündete ist ein Dienstmädchen, das einst als kleines Kind von ihren Eltern an den Palast verkauft wurde. In-yo ist fest entschlossen, zurückzuschlagen, sobald das Glück auf ihrer Seite ist ...

„The Empress of Salt and Fortune” überzeugt mit interessanten Figuren, Casual Queerness, einem chinesisch angelehnten Setting und einer gesunden Portion Female Rage. Es gibt eine klassische Rahmenhandlung, in welcher Chih als Chronist*in fungiert und verschiedene Geschichten niederschreibt. Im ersten Teil geht es um die vertriebene Kaiserin In-yo, erzählt aus der Perspektive ihrer treuen Dienerin.

Die Erzählung überzeugt weniger durch Action und mehr durch ruhige Töne. Trotz oder vielleicht auch wegen der Kürze ist der Text wirkungsvoll. Der einzige Nachteil ist, dass es gegen Ende hin ziemlich schnell geht. Da wäre ein wenig mehr Tiefe schön gewesen. Nichtsdestotrotz fand die Story einen guten, befriedigenden Abschluss.

Die fantastischen Elemente sind sehr dezent gesetzt und fügen sich gut in die Handlung ein, ohne sie zu dominieren. Es gibt z. B. sprechende Vögel, die Neixin, und Mammuts. Wahrsagen spielt eine wichtige Rolle in der Erzählung. In-yo wird trotz ihrer Lage die Herrscherin über das Glück genannt. Dass dieser Beiname nicht von ungefähr kommt, zeigt sich immer wieder dann, wenn sie in einfachen Glücksspielen gewinnt.

Eine schöne, kurzweilige Geschichte und ein guter Reihenauftakt mit Potenzial.

18. Februar 2026

Rezension: Trail to Heka


Titel: Trail to Heka. Seth auf der Suche

Autorin: Melanie Vogltanz
Erschienen: 31. Oktober 2023
Neu erschienen: 19. Februar 2026 im Second Chances Verlag

Inhalt: »Sie haben etwas, das dir gehört :( Hole es zurück, oder sie werden es benutzen!« Mit dieser Nachricht wird Seth von einer alten Feindin nach Kanada gelockt. Er begibt sich auf die Suche nach einem Teil seiner Kräfte, der nicht in falsche Hände gelangen sollte. Von dem er sich eigentlich selbst längst losgesagt hat. Nun ist es für Seth an der Zeit, sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen ...

Es geht weiter mit der Kemet-Reihe, diesmal dreht sich alles um Seth. Während er sich vorher noch die Bühne mit Mafed teilen musste, hat er hier wieder Gelegenheit selbst zu glänzen. Nicht unbedingt äußerlich, aber er ist zweifellos eine vielschichtige und, trotz seiner vielen Unzulänglichkeiten, die den Gott (paradoxerweise) menschlich erscheinen lassen, sympathische Figur. Er handelt nicht immer richtig, manchmal möchte man ihn für sein Verhalten einfach ohrfeigen. Dennoch kann man ihn verstehen.

Wie auch in den Vorgängern kommt dieser Band nicht ohne eine Spur ägyptischer Mythologie aus. Seth ist eine wirklich interessante und gelungene Neuinterpretation des altägyptischen Gottes der Wüste und der Stürme. Er selbst strahlt nicht nur nach außen hin Chaos aus, er zieht es regelrecht an, und wenn er handelt, ist auch das Ergebnis, trotz besten Bemühens, immer chaotisch.

„Trail to Heka“ ist ein Roadtrip. Aber auch wenn wir einiges über die einzelnen Stationen in Kanada erfahren, die Seth besucht, stehen im Vordergrund von „Trail to Heka“ die Figuren. Man könnte es schon fast eher als einen Selbstfindungstrip betrachten. Ab etwa der zweiten Hälfte verliert der Roman den Roadtrip-Charakter und die Handlung wird von Spannung und Action dominiert, bis sie in ein emotionales Ende mündet – eine sehr gute, unterhaltsame Mischung.

Melanie Vogltanz hat einen sehr schönen, flüssigen Stil, der sich super lesen lässt. Ihre Stärke liegt vor allem in emotionalen Szenen. Besonders schön ist es auch, wie selbstverständlich sie mit dem Thema Queernes umgeht und wie selbstverständlich Seth damit umgeht. Wie schon in den Vorgängerbänden sind hier die Figuren mal wieder sehr vielschichtig und divers gestaltet.

„Trail to Heka“ ist eine spannende Fortsetzung der Kemet-Reihe, die zudem Lust auf mehr macht.

23. Januar 2026

Rezension: Tod der Autorin

Originaltitel: Death of The Author

Autorin: Nnedi Okorafor
Erschienen: 14. Januar 2025
Deutsche Ausgabe: 2. Januar 2026

Inhalt: Zelu ist am Ende. Sie hat gerade ihren Job verloren, niemand will ihr Manuskript verlegen, und ihre Familie nimmt sie nur als die Außenseiterin im Rollstuhl wahr. Sie beschließt, etwas zu schreiben, was ihr sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Ihr Roman "Rusted Robots" wird zum weltweiten Megahit und schon beginnt ihre eigene Geschichte, ins Rollen zu kommen ...

„Tod der Autorin“ ist so wie das literaturwissenschaftliche Konzept ein Gedankenspiel darüber, ob die Interpretation literarischer Texte in den Händen der Leser*innen liegen und nicht in denen der Autorin.

Kapitel über Zelus Leben und Kapitel aus ihrem selbst geschriebenen Buch „Rusted Robots“ wechseln sich ab und gehen eine Synergie ein. Nnedi Okorafor gelingt es, beiden Erzählsträngen eine eigene Erzählstimme zu verleihen.

Es gibt viele Parallelen zwischen den fiktiven Romanauszügen und dem Leben der Hauptfigur, sodass man erst gar nicht sagen kann, ob „Rusted Robots“ von Zelus Leben inspiriert wurde oder ob ihr Leben sich (unfreiwillig) nach dem Roman richtet. Ein interessantes Zusammenspiel, bei dem erst sehr spät ersichtlich wird, welche Richtung es nehmen soll.

Während die fiktiven Romanausschnitte eindeutig Science-Fiction sind, gibt es im anderen Erzählstrang eine Mischung aus Gegenwartsliteratur und Near-Future-Elementen.

Genauso wie es unrealistisch ist, dass Zelu mit ihrem Roman (noch dazu in einem Genre, das sie selber eigentlich nie wirklich mochte) einen derartig überspitzt dargestellten Erfolg landet, ist es natürlich unrealistisch zu erwarten, jetzt das Allerbeste zu lesen, was man je in seinem Leben gelesen hat (so etwa wird „Rusted Robots“ in der Story dargestellt). Ausschnitte aus einem als Megahit inszenierten Romans zu präsentieren, ist dennoch gewagt, da es mit einer entsprechenden Erwartungshaltung einhergeht. Das soll nicht heißen, dass die Ausschnitte des fiktiven Romans nicht gut sind – das sind sie. Man sollte sich als Leser*in aber bewusst sein, dass dies eine bewusst übertriebene Darstellung ist, um den Plot überhaupt erst ins Rollen zu bringen. Ein Gedankenspiel sozusagen.

Darüber hinaus gibt es viele interessante Einblicke in die nigerianische Kultur, über Hürden, die Zelu sowohl als Migrantin als auch als Rollstuhlfahrerin regelmäßig überwinden muss. Das alles wird in beiden Storylines auf verschiedene Weise aufgearbeitet. Sowohl „Rusted Robots“ als auch „Tod der Autorin“ sind Romane über Identität, Körperlichkeit, die Möglichkeiten der Technik und vor allem des Erzählens.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, Sympathie für Zelu zu empfinden, auch wenn sie mein vollstes Mitgefühl bekommt. (Oft hat sie es wirklich nicht leicht, vor allem was ihre toxische Familie angeht.) Nichtsdestotrotz ist sie eine sehr interessante, vielschichtige und auch nachvollziehbare Hauptfigur. Je länger man sich auf sie einlässt, desto besser versteht man sie.

Wie der Titel schon impliziert, verliert Zelu nach und nach die Kontrolle über ihre eigene Geschichte, aber auch über ihr eigenes Leben. Vor allem zeigt der Roman, welche Macht Erzählungen haben können und wie sich sowohl „Tod der Autorin“ als auch „Rusted Robots“ einander bedingen. Die eine Geschichte funktioniert nicht ohne die andere.


12. Januar 2026

Rezension: Wolfsprinzessin. Sturz ins Feuer (Teil 2)

Titel: Wolfsprinzessin. Sturz ins Feuer

Autorin: Elisa Miller
Erschienen: 05. November 2025

Inhalt: Alle sind auf der Suche nach der Wölfin. Für Liria gibt es alte und neue Verbündete. Aber kann sie ihnen auch trauen? Und wird sie zurückkehren, um als rechtmäßige Erbin den Wolfsthron anzunehmen?

Mit „Sturz ins Feuer“ wird die Geschichte unserer Wolfsprinzessin nahtlos fortgesetzt. Der zweite Teil kann mit dem Vorgänger definitiv mithalten, sowohl inhaltlich als auch sprachlich.

Das Figurenensemble ist sehr divers und abwechslungsreich, wodurch gute Dynamiken entstehen. Es gibt neue Figuren, die das Ensemble ergänzen und einige freudige Wiedersehen, die man nicht immer auf den ersten Blick erkennt. Die einzelnen Schicksale sind raffiniert miteinander verwoben und finden schließlich einen gemeinsamen Nenner. Es gibt neue Bündnisse, die man anfangs so nicht vermutet.

Sprachlich ist “Sturz ins Feuer“ natürlich sehr schön. Gelegentliche Highlights sind mal wieder die Zwischenkapitel, die die vierte Wand durchbrechen und die Erzählung aufwerten. Insgesamt ist der zweite Teil etwas dialoglastiger als der erste. Da der Fokus auf Figurenentwicklung liegt, passt der Stil sehr gut.

Das Ende ist sehr ungewöhnlich erzählt, bildet dafür einen guten Abschluss der Geschichte, wenn auch etwas bitter-sweet. Es passt zum allgemeinen Ton der Dilogie. Wie bereits zu Teil 1 erwähnt, darf man hier keine großen Schlachten oder einen ähnlichen epischen Ausgang erwarten. Die Handlung wird vor allem durch die Figuren getragen.

„Sturz ins Feuer“ ist ein Muss für alle, die schon Teil 1 mochten. Es lohnt sich, die Story weiterzuverfolgen.

22. November 2025

Rezension: Tim & Keiji und der magische Adventskalender

Titel: Tim & Keiji und der magische Adventskalender

Autor*in: Arden Skye
Erschienen: 24. Dezember 2024

Inhalt: Die beiden Freunde Tim und Keiji bekommen einen mysteriösen Adventskalender geschenkt, der sie jeden Tag aufs Neue in eine magische Weihnachtswelt entführt ...

Mit „Tim & Keiji und der magische Adventskalender“ erleben Leser*innen gemeinsam mit den Titelfiguren viele kleine Abenteuer in einer weihnachtlichen Parallelwelt. Die Story richtet sich zwar eher an Jugendliche, kann aber genauso gut von Erwachsenen gelesen werden.
Das Buch selbst ist mit den 24 Kapiteln, also für jedes Türchen eines, wie ein Kalender aufgebaut. Die Kapitel sind vom Umfang her alle ähnlich und relativ kurz, was heißt, dass man selbst an stressigen Dezembertagen Zeit finden kann, ein Kapitel zu lesen, wenn man das Buch selbst wie einen Kalender betrachten möchte.

Die Handlung braucht ein wenig, bis sie Fahrt aufnimmt. Aber es lohnt sich. Es gibt einen Handlungsstrang in der Weihnachtswelt, die nur über den Adventskalender betreten werden kann. Dort geht es sehr harmonisch zu, wodurch eine gemütliche Vorweihnachtsstimmung aufkommt. Im zweiten Strang dreht es sich um Keiji und Tim in der realen Welt. Es gibt immer mal wieder kleine Konflikte, die sich aber sehr schnell wieder auflösen. Drama kommt hier also weniger auf.
Besonders schön ist es, wie divers die Freundesgruppe der beiden Teenager ist und wie gut sich alle verstehen. Auch wenn Freundschaft und Familie viel stärker thematisiert werden als Romantik, erinnert die Stimmung, die aufkommt, ein wenig an Heartstopper.

Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen, ideal für jüngeres Publikum. Es gibt nur ein paar ungewöhnliche Eigenheiten, z. B. häufige Sätze, die mit „indes“ eingeleitet werden. Aber darüber kann man hinwegsehen.

Eine tolle Weihnachtslektüre mit viel Cozyness, sowohl für Jüngere als auch Ältere. 

11. Oktober 2025

Rezension: Nebby Dove

Titel: Nebby Dove - Gefährliche Winde

Autorin: Veronica Carver
Erschienen: 31. Juli 2025 im Wunderzeilen Verlag

Inhalt: Die Aeronautin Tracy Kane jagt einem sagenumwobenen Himmelswal hinterher. Dieselben Pläne verfolgt jedoch auch der berüchtigte Luftpirat Captain Magnus Woodleg. Es beginnt ein ein rasanter Wettlauf und ein Abenteuer, das Tracy nicht allein bestreiten kann. Auf ihrer Reise trifft sie u. a. auf einen geflohenen Piraten, ein Musikertrio und auf eine gerissene Ingenieurin ...

Manchmal gibt es Bücher, bei denen ich gar nicht so richtig weiß, was man daran kritisieren könnte, weil es eben kaum was zu kritisieren gibt. "Nebby Dove" ist ein durchweg unterhaltsames Buch. Es hat sozusagen genau das, was ich für eine runde Story brauche – ein wenig Action, ein wenig Liebe, eine einzigartige Welt, interessante Charaktere, eine Prise Humor und Piraten.

Besonders schön ist es, wie viel Wert Veronica Carver auf Diversität legt, die innerhalb der Welt als selbstverständlich wahrgenommen wird, nicht ohne auch etwas Gesellschaftskritik zu üben. Es gibt Queerness, Behinderungen, verschiedene Ethnien. Selbst Tiermenschen, Arkanier genannt, finden in der Welt von "Nebby Dove" einen Platz. Sehr gut fand ich vor allem den sapphischen Romance-Subplot.

Die Welt wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt. Die Beschreibungen verleihen dem Roman eine dichte, steampunkige Atmosphäre, was einem gleich ein Bild vor dem geistigen Auge schafft. Perfekt, um in eine neue, eigentümliche eintauchen zu wollen.

Genauso eigentümlich ist auch der Charakter der Protagonistin Tracy. Sie hat zudem einen hohen Tatendrang, was sie zu einer idealen Hauptfigur macht. Ebenso die anderen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und irgendwie schließt man die gesamte Truppe schnell ins Herz.
Besonders gelungen an „Nebby Dove“ ist das Pacing. Es gibt eine gesunde Mischung aus ruhigen und actionreichen Szenen sowie einen sehr guten Spannungsbogen, was sehr zum Lesefluss beiträgt.

Insgesamt kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

8. September 2025

Rezension: Path into Duat

Titel: Path into Duat. Seth und Mafed

Autorin: Melanie Vogltanz, Jenny Wood
Erschienen: 07. August 2025 (Neuauflage)

Inhalt: Der gefallene Chaosgott Seth hat es nicht leicht. Erst taucht da dieser arrogante New Yorker Yuppie, Rechtsmediziner Doctor Jahi Mafed, in seiner Bar auf, dann wird er auch noch des Mordes beschuldigt. Es sieht nicht gut aus für Seth, selbst seine Freunde zweifeln an seiner Unschuld. Nur Mafed hält bis zum Schluss zu ihm ...

"Path into Duat" ist der dritte Teil der Kemet-Reihe und eine gemeinsame Fortsetzung der beiden Bände "Road to Ombos" (Seth) und "Totenfluch" (Mafed). Da es sich um abgeschlossene Storys handelt, kann man ihn problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Wenn Bezug auf die Vorgänger genommen wird, dann werden die wichtigen Geschehnisse hinreichend erklärt.

Der Roman nimmt viele positive Aspekte beider Vorgänger auf und verbindet sie zu etwas Neuem. Da ist einmal das Wüstensetting, das ideal zu den ägyptischen Göttern passt, auch wenn wir uns jetzt in Nevada befinden und nicht mehr in Ägypten. Dann wären da noch die Krimielemente. Interessant ist, dass es diesmal kein typsicher Krimi ist und wir stattdessen eine andere Perspektive, die des Beschuldigten, einnehmen. Nichtsdestotrotz bleibt die spannende Suche nach der Wahrheit nicht aus.

Die Handlung ist recht übersichtlich: Seth wird des Mordes beschuldigt und muss da irgendwie wieder rauskommen, was gar nicht so einfach ist, weil alles gegen ihn spricht. Lange Zeit schweben sowohl die Figuren als auch Leser*innen im Unwissen, ob er es nun war oder nicht, was für Spannung sorgt.

Im Vordergrund stehen die Figuren – ihre Beziehungen zueinander, ihre Entwicklungen, die sie durchmachen. Das ist auch die große Stärke dieses Romans. Seth und Mafed sind unglaublich nahbare Figuren mit ihren Stärken und ebenso den Schwächen, was die beiden Götter fast schon menschlich macht. Dass die beiden so unterschiedlich sind, sorgt immer wieder für eine spannungsgeladene Atmosphäre. Und trotzdem haben sie einiges gemeinsam, wie sie im Laufe der Handlung herausfinden.

Das Pacing ist gut. Es gibt genug ruhige Momente, in denen man die Figuren besser kennenlernt. Etwas abrupt wirkt lediglich ein größerer Zeitsprung nach etwa der Hälfte der Story, den ich etwas seltsam fand. Das Lesevergnügen überwiegt aber und man kann gerne über solche Kleinigkeiten hinwegsehen.

8. Juni 2025

Rezension: Totenfluch

Titel: Totenfluch. Ein Fall für Mafed und Barnell

Autorin: Jenny Wood
Erschienen: 27. März 2025 (Neuauflage)

Inhalt: Als längst vergessener Totengott hat es sich Mafed im heutigen New York gemütlich gemacht, wo er als Rechtsmediziner beim NYPD arbeitet. Als ausgerechnet in der ägyptischen Abteilung des Museums ein Mord geschieht, muss er mit Detective Barnell gemeinsam ermitteln. Zeitgleich scheint die Vergangenheit Mafed einzuholen ...

Die Lektüre habe ich wirklich genossen. "Totenfluch" überzeugt durch eine gelungene Mischung aus Fantasy, Krimi und ägyptischer Mythologie.

Mafed ist ein sehr sympathischer Charakter mit Höhen und Tiefen. Besonders die Rückblicke aus seiner Vergangenheit machen ihn so nahbar.

Nach und nach erkennt man, wie die zuerst zusammenhanglos wirkenden Kapitel ein Gesamtbild ergeben und sich die Handlungen der beiden verschiedenen Zeitebenen verflechten. Der Fall selbst ist relativ vorhersehbar, zumal das Figurenensemble doch recht überschaubar ist. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, die beiden Protagonisten bei den Ermittlungen zu begleiten und an der ein oder anderen Stelle mitzufiebern.
Eine schöne Abwechslung zu den Krimielementen bieten die ruhigen Szenen, die das Privatleben der beiden beleuchten. Ganz allmählich baut sich zwischen Mafed und Barnell, die sich anfangs nicht wirklich leiden können, sowas wie Freundschaft auf. Es hängt die ganze Zeit etwas Unaussprechliches in der Luft und man wartet nur darauf, bis endlich einer der beiden das Eis bricht. Trotz des ganzen Dramas rund um Blut und Mord bleibt auch der Humor nicht auf der Strecke. Immer wieder gibt es kurze Momente, die die Ernsthaftigkeit des Falls einmal vergessen lassen, die einen zum Lachen bringen.

Etwas irritierend sind die Unterhaltungen von Mafed und Barnell übers Siezen. Im deutschsprachigen Raum wären sie nachvollziehbar, da es aber in New York spielt, wirkt es etwas seltsam.

Es gibt einige erotische Szenen, die nicht unbedingt dazu beitragen, den Plot voranzubringen. Wenn man sie nicht mag, kann man sie getrost ignorieren. Sie sind aber ansprechend geschrieben. Sie sind keinesfalls vulgär, trotz der Explizität nicht zu detailliert, sodass man sich selbst ein Bild machen kann, und vor allem sind sie queer, daher haben sie mir persönlich sehr gefallen, und das obwohl ich kein großer Fan von Spice in Büchern bin. Wenn man sie mag, großes Plus.

Der Auftakt hat mir mit seinem Genre-Mix wirklich sehr gefallen und ich freue mich bereits auf den nächsten Teil. Vielen Dank an Netgalley für das kostenlose Rezensionsexemplar.

17. April 2025

Rezension: Der Jasmin-Thron

Originaltitel: The Jasmine Throne

Autorin: Tasha Suri
Erschienen: 08. Juni 2021
Deutsche Ausgabe: 3. März 2025

Inhalt: Pryia ist eine ehemalige Tempeltochter, deren Familie im Feuer getötet wurde, Malini eine Prinzessin, die von ihrem Bruder ins Exil verbannt wurde. Während Pryia einen Weg zurück zu ihren Wurzeln sucht, will Malini Rache. Als auch noch Aufstände im Reich drohen, tun die beiden sich zusammen und merken, dass die beiden mehr als nur politische Interessen verbindet ...

"Der Jasmin-Thron" ist ein Buch, das  eindeutig mehr Hype verdient. Es gibt eine interessante Welt, politische Intrigen, Magie und nachvollziehbare Figuren mit unterschiedlichen Interessen, was für Spannungen sorgt. Noch dazu hat Tasha Suri einen sehr ansprechenden, poetischen Schreibstil.

Wer Romance nicht mag, sollte sich durch die Bezeichnung Romantasy nicht abschrecken lassen. Die Liebesbeziehung der beiden Protagonistinnen ist eigentlich nur eine nebensächliche Handlung. Sie ist aber einer von vielen Faktoren, die dieses Buch so gut machen.

Die Handlung baut sich sehr langsam auf und ist zuweilen auch recht dialoglastig. Im ersten Band geht es vor allem darum, die verschiedenen Figuren und Handlungsstränge vorzustellen.  Dafür wird so eine wunderbar dichte Atmosphäre geschaffen und man hat genug Zeit, die einzelnen Figuren und ihre Motive kennenzulernen und in eine indisch inspirierte Fantasywelt einzutauchen. Nicht unbedingt etwas für Actionfans, nichtsdestotrotz gibt es auch actionreiche Momente und einen sehr guten Handlungsbogen.

Ein sehr guter Auftakt für eine Trilogie, auf deren Folgebände ich mich schon sehr freue.

18. März 2025

Rezension: Thousand Autumns. Buch 1 - Tiefer Fall

Originaltitel:  千秋 #1 (Qiān Qiū)

Autorin: Meng Xi Shi
Deutsche Ausgabe: 3. März 2025

Inhalt: Nach seinem schweren Sturz finde sich Shen Qiao in der Obhut von Yan Wushi wieder, der ihn nicht ganz uneigennützig wieder zu neuen Kräften verhelfen will. Er möchte den gutmütigen und nachgiebigen Shen Qiao verderben, indem er ihn auf den dämonischen Pfad bringt.

Wir befinden uns in einem historischen China, die Hauptfiguren sind die beiden Kultivierer Shen Qiao - Anführer eines Daoistischen Clans - und Yan Wushi - Anführer eines Dämonischen Clans. Sehr empfehlenswert ist "Seven Autumns" für Fans von Damneis wie "Heavens Official's Blessing" oder "Grandmaster of Demonic Cultivation". Auch wenn es nicht ganz an die beiden Reihen herankommt, kommt man hier auf seine Kosten.

Sprachlich ist es einfach gehalten. Nichts Besonderes, aber es liest sich schnell und flüssig, wie man es von einem Light Novel erwartet.

Sehr Ansprechend sind die Charakterdesigns. Zum einen sind beide älter als die gängigen Hauptfiguren des Genres (Shen Qiao ist in den frühen 30ern und Yan Wushi etwa in den 40ern). Mit Shen Qiao haben wir zudem eine blinde Hauptfigur. Durch seinen schweren Sturz zu Beginn der Handlung bleibt er das Buch über körperlich beeinträchtigt, und es ist interessant zu sehen, wie er damit umgeht und seinen Alltag dennoch meistert. Die Repräsentation ist sehr schön. Leider gibt es ein paar unglückliche sprachliche Wendungen, die entweder seine Blindheit nicht ganz berücksichtigen oder seinen kränklichen Zustand romantisieren. Insgesamt hätte das noch einen Tick sensibler bearbeitet sein können.

Die beiden haben zudem durch ihre unterschiedlichen Wesenszüge eine interessante Dynamik. Dass es zwischen den beiden knistert, merkt man erst in der zweiten Hälfte. Während Shen Qiao jedoch sehr gutmütig und nahbar ist, bleiben die Beweggründe für Yan Wushis Handeln oft im Unklaren. Seine Handlungen wirken mitunter wenig nachvollziehbar und willkürlich.

Etwas schwierig zu verfolgen ist der Infodump zu Beginn; es werden viele Namen in den Raum geschmissen. Positiv zu erwähnen sind hier aber die vielen Erklärungen am Ende des Buches (Figurenverzeichnis, Aussprache etc). Die Handlung kommt langsam in die Gänge. Da es sich um eine mehrbändige Reihe handelt, muss man damit rechnen. Es werden einige interessante Wendungen angedeutet, die Hoffnung und Lust auf mehr machen.

Insgesamt ein guter Auftakt mit kleineren Schwächen, aber großes Potenzial für weitere Bände.

10. März 2025

Rezension: Die Abenteuer der Piratin Amina al-Sirafi

Originaltitel: The Adventures of Amina al-Sirafi

Autorin: Shannon Chakraborty
Erschienen: 28. Februar 2023
Deutsche Ausgabe: 31. Oktober 2023

Inhalt: Eigentlich will Amina al-Sirafi ihren Ruhestand genießen. Um die Tochter eines ehemaligen Crew-Mitgliedes aus den Fängen eines bösen Magiers zu befreien, muss sie sich jedoch erneut auf ein gefährliches Abenteuer begeben.

Wer nach einem Piratenabenteuer, gespickt mit einer Prise Magie, sucht, wird mit diesem Buch genau das Richtige finden. "Die Abenteuer der Piratin Amina al-Sirafi" ist ein wunderbar diverses und actionreiches Piratenabenteuer mit einer faszinierenden Hauptfigur. 

Es beginnt wie ein klassisches Abenteuer. Es gibt eine Entführung, böse Seeungeheuer, einen sagenumwobenen Schatz. Die phantastischen Elemente werden behutsam in die Story eingeführt und nehmen mit der Zeit deutlich zu. Es gibt ein paar interessante Wendungen und actionreiche, spannende Szenen. Insgesamt bleibt der Plot an einigen Stellen aber recht vorhersagbar.

Das tut dem Spaß keinen Abbruch, wenn man Piratengeschichten im Stile von "Fluch der Karibik" mag. Was den Roman so einzigartig macht, ist die Art und Weise, wie er erzählt wird. Chakrabortys Stärken liegen in ihrem sehr schönen literarischen Stil sowie in der Ausarbeitung des Settings. Wir befinden uns im mittelalterlichen Orient. Hauptschauplatz ist der Indische Ozean.

Amina ist eine Heldin, wie man sie eher selten kennenlernt. Sie ist Mitte 40, Mutter, eine der berüchtigtsten Frauen des Orients, hatte bereits mehrere Ehemänner und ist trotz ihrer vielen moralischen Verfehlungen eine gläubige Muslimin mit freiheitlichen Werten.

In einem konservativem mittelalterlichen Arabien, das von Männern und von Fremdenfeindlichkeit dominiert wird, schafft Chakraborty mit den Piraten einen Raum, in welchem Diversität und Queerness als vollkommen selbstverständlich wahrgenommen werden, was das Setting sehr aufwertet und realistisch macht.

Sehr schön gestaltet ist übrigens die deutsche Ausgabe. Im Buchdeckel befindet sich vorn eine mittelalterliche Fantasykarte des Indischen Ozeans, im hinteren Teil eine Illustration von Amina mit ihren engsten Crewmitgliedern, auf ihrem Piratenschiff, der Marawati, stehend. Hier die dazugehörigen Bilder:


Insgesamt ein sehr guter und unterhaltsamer Roman, den ich Piraten- und Fantasyfans uneingeschränkt empfehlen kann.

22. Februar 2025

Rezension: Iron Widow - Rache im Herzen

Originaltitel: Iron Widow

Autor*in: Xiran Jay Zhao
Erschienen: 21. September 2021
Deutsche Ausgabe: 26. Juli 2023

Inhalt: Um Huaxia vor äußeren Bedrohungen zu schützen, steuern jeweils ein Mann und eine Frau einen Kampfroboter. Zu ihnen gehört Zetian, die sich am Mord an ihrer Schwester rächen will. Obwohl die Macht der männlichen Piloten wesentlich stärker ist als die der Frauen, kehrt Zetian im Gegensatz zu ihrem Co-Piloten lebend zurück. Doch statt als Heldin gefeiert zu werden, sperrt man sie ein ... 

„Iron Widow“ ist ein Science-Fiction-Roman, der vor allem durch sein düsteres Setting besticht und einer gelungenen Mischung aus Anime-Elementen und chinesischer Geschichte.

Ein Highlight sind für mich die sehr dynamisch beschriebenen Kampfszenen und das Design der Chrysalises. Insbesondere Fans von Mecha-Animes wie „Neon Genesis Evangelion“ werden hier auf ihre Kosten kommen.

Leider hat mich Hauptfigur Zetian nicht überzeugt. Sie besitzt durchaus interessante Eigenschaften und funktioniert auch als Hauptfigur. Ihre Motive sind verständlich und nachvollziehbar. Ihr Handeln ist allerdings durchweg aggressiv, unreflektiert und sie muss immer das letzte Wort haben, was anscheinend niemanden stört. Hinzukommt, dass sie mit Abstand die stärkste Pilotin von allen ist und das ohne großen Aufwand. Wenn jemand einmal nicht ihrer Meinung ist, wird er oder sie plattgemacht ohne Rücksicht auf Verluste, und erzähltechnisch wird immer hervorgehoben, wie gerechtfertigt ihre Handlungen sind.

Obwohl Zetian aufgewachsen ist wie viele andere Mädchen in dieser Welt auch, scheint sie außerdem die einzige zu sein, die freiheitliches Gedankengut entwickelt und gesellschaftliche Strukturen hinterfragt. Ihre Glaubwürdigkeit hat sie für mich verloren, weil sie eigentlich das Ziel hat, das Patriarchat zu stürzen und alle Frauen aus der Unterdrückung zu befreien, sie gleichzeitig aber Frauen rücksichtslos angreift und tötet, die sich dem System fügen, ohne deren Hintergründe zu hinterfragen. Wenn Zetian diese Frauen so sehr verachtet, frage ich mich, welchen Zweck es überhaupt hat, für sie zu kämpfen. Im ganzen Buch wird keine einzige Frau vorgestellt, die ähnliche Ansichten wie Zetian vertritt.

Dafür dass „Iron Widow“ als ein stark feministisches Werk beschrieben wird, hätte ich mir gewünscht, dass besser mit weiblichen Figuren umgegangen wird. Ich hätte mir zumindest mehr Verständnis von Zetian gegenüber Schwächeren gewünscht oder aber eine konkrete Stellungnahme des Erzählers zu ihrem Verhalten.

Die Liebesbeziehung der drei Hauptfiguren finde ich interessant, die Umsetzung leider sehr holprig. Wie Zetian mit beiden ein Verhältnis aufbaut, ist nachvollziehbar gestaltet. Da sie der gnadenlose Mittelpunkt der Handlung ist, kommt die Beziehung zwischen Yzhi und Shimin definitiv zu kurz und wirkt trotz ein, zwei kurzer Andeutungen sehr gezwungen. Beide wirken wie Zetians Schoßhündchen, die alles für sie tun würden, ohne sie zu hinterfragen, was beide sehr eindimensional macht.

Das Erzähltempo ist sehr schnell. Zum einen treibt es einen als Leser*in gut voran. Zum anderen fehlt wertvolle Zeit, sich in die Welt von „Iron Widow“ hineinzuversetzen. Streckenweise wird nur nacherzählt. Szenen folgen aufeinander, deren Zusammenhang man sich denken muss. Man merkt dem Werk an, dass hier versucht wurde, es auf eine angemessene Länge runterzubrechen, damit es verkaufstechnisch rentabel ist. Mehr wäre in diesem Fall auch mehr gewesen.

Mehr Tiefe hätte dem Roman gut getan, auch eine bessere Ausarbeitung des feministischen Ansatzes. Die Beziehung der Hauptfiguren bleibt trotz ihres Potentials oberflächlich.