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6. Mai 2026

Rezension: Funkenflug

Titel: Funkenflug (Der letzte Schlüssel 2)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 06. Mai 2026

Inhalt: Jule setzt alles daran, Mika und Kestrel aus den Klauen der Avatare zu befreien. Sie findet alte und neue Verbündete, die sie dabei unterstützen, ihre verborgenen Kräfte zu meistern und sie ihrem Ziel etwas näherzubringen. Als sie ihren Widersachern erneut gegenübersteht, erfährt sie eine Wahrheit, die alles auf den Kopf stellt ...

Vieles, was „Seelengrube“ ausmacht, findet sich im Nachfolger wieder: tolle Charaktere, ein ansprechender Stil sowie das detailreiche Worldbuilding, auf welches hier noch weiter eingegangen wird. „Funkenflug“ hält das Niveau des ersten Bandes und beweist mal wieder, wie gut der Genremix funktioniert.

Erneut begleiten wir Jule dabei, wie sie fleißig trainiert, um es bald mit den Avataren aufnehmen zu können. Zeitgleich erfahren wir mehr von der Rebellion gegen Arges, was eine neue Dynamik in die Story bringt. Fragen aus dem ersten Teil werden beantwortet, dafür werden wieder neue aufgeworfen.
Anfangs plänkelt die Handlung etwas vor sich hin, später wird es umso spannender. Höhepunkt und Ende sind sehr gelungen. Insgesamt ist „Funkenflug“ actionreicher als der Vorgänger. Die schnellen Szenen wechseln sich gekonnt ab mit ruhigen und emotionalen, zwischendrin auch immer wieder eine Prise Romantik.

Es gibt Wiedersehen mit Figuren des ersten Teils, die mir sehr gefielen, und mit ihnen einige sehr schöne Szenen. „Funkenflug“ hat wieder viele interessante Figuren, darunter bekannte wie auch neue.

Etwas komisch finde ich es, dass die Hände der Avatare (was sicher ein anspruchsvoller Job ist) nebenher noch Zeit haben, in der Zitadelle zu unterrichten. Sollten sie sich nicht vollumfänglich um den Schutz ihrer Gött*innen kümmern? Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Vielleicht klärt sich das auch noch.

20. April 2026

Rezension: Seelengrube

Titel: Seelengrube (Der letzte Schlüssel)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 20.  September 2025

Inhalt: Jule wurde mit dem Ruf geboren, einer magischen Gabe, die sie jedoch nicht besonders gut beherrscht. Also bereitet sie sich seelisch auf eine langweilige Bürokarriere und Pizzaabende vor. Ihr Pläne ändern sich jedoch, als sie sich nach einer gepatzten Mission im Verlies wiederfindet, gemeinsam mit einem riesigen Monster ...

"Seelengrube" ist eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Der Weltenbau entspricht am ehesten einer Space Opera, gespickt mit einer Prise Magie und Cyberpunk-Elementen. Die Welt ist sehr anschaulich beschrieben. Aufgewertet wird das Ganze durch die Illustrationen von Johanna Lehmert, die zur düsteren Atmosphäre passen.

Mit Jule haben wir eine sehr sympathische und vielschichte Hauptfigur. Sie hat viele kleine Fehlerchen, die sie sehr nahbar machen. Auch die Nebenfiguren sind alle interessant und divers geschrieben.

Die Romanze gliedert sich harmonisch in die Geschichte ein und ist nachvollziehbar gestaltet. Besonders erfrischend ist es, wie Marie Meier gängige Stereotypen bricht. Es gibt intime Szenen, in denen mehr auf die Gefühle der Figuren gesetzt wird anstatt auf Explizität, was ebenfalls passt.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Nach etwa einem Drittel des Buches habe ich ein wenig den Roten Faden verloren und es war nicht ganz ersichtlich, in welche Richtung die Handlung gehen soll. Das war zum Glück halb so wild, da es trotzdem interessante Einblicke in Jules Leben gibt und man viel über die Welt erfährt beim Lesen.

Das Ende stellt nochmal einiges auf Kopf und so langsam wird deutlich, worum es eigentlich geht. Jule fasst schließlich ein klares Ziel, das sie erreichen will, was es spannend macht und die Wogen für einen zweiten Teil glättet.

Alles in allem ein gelungenes Debüt mit sehr viel Liebe zum Detail.

7. April 2026

Rezension: Prism

Titel: PRISM

Autorin: Katherina Ushachov
Erschienen: 21. April 2025

Inhalt: Penelope, Sofie und Kader leben in einem Polykül und sind zeitgleich Arbeitspartner*innen, die PRISM entwickeln. PRISM ist eine Technik, mit der das Bewusstsein in eine virtuelle Realität hochgeladen wird, um so Verbrechen aufzuklären ...

Obwohl gelegentlich erwähnt wird, dass die Nutzung von PRISM moralisch fragwürdig ist, wird dies im Roman nicht wirklich exploriert. Wie PRISM funktioniert und eingesetzt werden kann, wird nur selten gezeigt. Die Arbeit der drei Figuren wird als etwas Lästiges geframet und erhält nicht viel Platz in der Erzählung, obwohl gerade das den interessanten Aspekt des ausgemacht hätte. Anstatt sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, erleben wir hier verschiedene Etappen aus dem Leben von Penelope und ihrer Tochter. Mit dabei ihre beiden Partner*innen, die etwas blass bleiben.

Was gut läuft, ist die Repräsentation. Da alle drei Hauptfiguren queere PoCs sind, haben sie zusätzliche Hürden zu bewältigen in ihrem Leben, was in der Handlung stark beleuchtet wird. Es gibt immer wieder kleinere Situationen, in denen gezeigt wird, dass die Figuren in einer heteronormativen Gesellschaft nicht gesehen werden.
Schade ist es, dass in einigen beschriebenen Situationen ausbleibt, woher die Diskriminierung rührt, da von Penelope oft eingeworfen wird, dass es an ihrer Arbeit an PRISM liegen könnte und nicht etwa an ihrer Herkunft oder Sexualität.

Interessant ist es, wie verschiedene Farbcodes in den Text eingebaut wurden. Ansonsten konnte „PRISM“ mich sprachlich nicht wirklich überzeugen, wobei ich schon deutlich Schlimmeres gelesen habe.

Gegen Ende spitzt sich die Handlung sehr schnell zu, wird aber ebenso schnell wie enttäuschend aufgelöst. Ich hätte mir letzten Endes mehr Science-Fiction und weniger Familiendrama gewünscht.

23. Januar 2026

Rezension: Tod der Autorin

Originaltitel: Death of The Author

Autorin: Nnedi Okorafor
Erschienen: 14. Januar 2025
Deutsche Ausgabe: 2. Januar 2026

Inhalt: Zelu ist am Ende. Sie hat gerade ihren Job verloren, niemand will ihr Manuskript verlegen, und ihre Familie nimmt sie nur als die Außenseiterin im Rollstuhl wahr. Sie beschließt, etwas zu schreiben, was ihr sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Ihr Roman "Rusted Robots" wird zum weltweiten Megahit und schon beginnt ihre eigene Geschichte, ins Rollen zu kommen ...

„Tod der Autorin“ ist so wie das literaturwissenschaftliche Konzept ein Gedankenspiel darüber, ob die Interpretation literarischer Texte in den Händen der Leser*innen liegen und nicht in denen der Autorin.

Kapitel über Zelus Leben und Kapitel aus ihrem selbst geschriebenen Buch „Rusted Robots“ wechseln sich ab und gehen eine Synergie ein. Nnedi Okorafor gelingt es, beiden Erzählsträngen eine eigene Erzählstimme zu verleihen.

Es gibt viele Parallelen zwischen den fiktiven Romanauszügen und dem Leben der Hauptfigur, sodass man erst gar nicht sagen kann, ob „Rusted Robots“ von Zelus Leben inspiriert wurde oder ob ihr Leben sich (unfreiwillig) nach dem Roman richtet. Ein interessantes Zusammenspiel, bei dem erst sehr spät ersichtlich wird, welche Richtung es nehmen soll.

Während die fiktiven Romanausschnitte eindeutig Science-Fiction sind, gibt es im anderen Erzählstrang eine Mischung aus Gegenwartsliteratur und Near-Future-Elementen.

Genauso wie es unrealistisch ist, dass Zelu mit ihrem Roman (noch dazu in einem Genre, das sie selber eigentlich nie wirklich mochte) einen derartig überspitzt dargestellten Erfolg landet, ist es natürlich unrealistisch zu erwarten, jetzt das Allerbeste zu lesen, was man je in seinem Leben gelesen hat (so etwa wird „Rusted Robots“ in der Story dargestellt). Ausschnitte aus einem als Megahit inszenierten Romans zu präsentieren, ist dennoch gewagt, da es mit einer entsprechenden Erwartungshaltung einhergeht. Das soll nicht heißen, dass die Ausschnitte des fiktiven Romans nicht gut sind – das sind sie. Man sollte sich als Leser*in aber bewusst sein, dass dies eine bewusst übertriebene Darstellung ist, um den Plot überhaupt erst ins Rollen zu bringen. Ein Gedankenspiel sozusagen.

Darüber hinaus gibt es viele interessante Einblicke in die nigerianische Kultur, über Hürden, die Zelu sowohl als Migrantin als auch als Rollstuhlfahrerin regelmäßig überwinden muss. Das alles wird in beiden Storylines auf verschiedene Weise aufgearbeitet. Sowohl „Rusted Robots“ als auch „Tod der Autorin“ sind Romane über Identität, Körperlichkeit, die Möglichkeiten der Technik und vor allem des Erzählens.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, Sympathie für Zelu zu empfinden, auch wenn sie mein vollstes Mitgefühl bekommt. (Oft hat sie es wirklich nicht leicht, vor allem was ihre toxische Familie angeht.) Nichtsdestotrotz ist sie eine sehr interessante, vielschichtige und auch nachvollziehbare Hauptfigur. Je länger man sich auf sie einlässt, desto besser versteht man sie.

Wie der Titel schon impliziert, verliert Zelu nach und nach die Kontrolle über ihre eigene Geschichte, aber auch über ihr eigenes Leben. Vor allem zeigt der Roman, welche Macht Erzählungen haben können und wie sich sowohl „Tod der Autorin“ als auch „Rusted Robots“ einander bedingen. Die eine Geschichte funktioniert nicht ohne die andere.


11. Oktober 2025

Rezension: Nebby Dove

Titel: Nebby Dove - Gefährliche Winde

Autorin: Veronica Carver
Erschienen: 31. Juli 2025 im Wunderzeilen Verlag

Inhalt: Die Aeronautin Tracy Kane jagt einem sagenumwobenen Himmelswal hinterher. Dieselben Pläne verfolgt jedoch auch der berüchtigte Luftpirat Captain Magnus Woodleg. Es beginnt ein ein rasanter Wettlauf und ein Abenteuer, das Tracy nicht allein bestreiten kann. Auf ihrer Reise trifft sie u. a. auf einen geflohenen Piraten, ein Musikertrio und auf eine gerissene Ingenieurin ...

Manchmal gibt es Bücher, bei denen ich gar nicht so richtig weiß, was man daran kritisieren könnte, weil es eben kaum was zu kritisieren gibt. "Nebby Dove" ist ein durchweg unterhaltsames Buch. Es hat sozusagen genau das, was ich für eine runde Story brauche – ein wenig Action, ein wenig Liebe, eine einzigartige Welt, interessante Charaktere, eine Prise Humor und Piraten.

Besonders schön ist es, wie viel Wert Veronica Carver auf Diversität legt, die innerhalb der Welt als selbstverständlich wahrgenommen wird, nicht ohne auch etwas Gesellschaftskritik zu üben. Es gibt Queerness, Behinderungen, verschiedene Ethnien. Selbst Tiermenschen, Arkanier genannt, finden in der Welt von "Nebby Dove" einen Platz. Sehr gut fand ich vor allem den sapphischen Romance-Subplot.

Die Welt wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt. Die Beschreibungen verleihen dem Roman eine dichte, steampunkige Atmosphäre, was einem gleich ein Bild vor dem geistigen Auge schafft. Perfekt, um in eine neue, eigentümliche eintauchen zu wollen.

Genauso eigentümlich ist auch der Charakter der Protagonistin Tracy. Sie hat zudem einen hohen Tatendrang, was sie zu einer idealen Hauptfigur macht. Ebenso die anderen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und irgendwie schließt man die gesamte Truppe schnell ins Herz.
Besonders gelungen an „Nebby Dove“ ist das Pacing. Es gibt eine gesunde Mischung aus ruhigen und actionreichen Szenen sowie einen sehr guten Spannungsbogen, was sehr zum Lesefluss beiträgt.

Insgesamt kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

24. Februar 2025

Rezension: Das Ewigkeitsprojekt

Autorin: Caroline Hofstätter
Erschienen: 15. Oktober 2019

Inhalt: Als die Ärztin Dr. Sarah Berger eines Morgens das Haus verlässt, ist die Stadt verlassen. Während sie den rätselhaften Ereignissen auf den Grund geht, wird ihr bewusst: Sie befindet sich bereits mitten im Ewigkeitsprojekt.

"Das Ewigkeitsprojekt" ist ein sehr unterhaltsamer Science-Fiction-Roman. Besonders gefallen hat mir das Setting, das vielleicht nicht ganz neu, aber sehr interessant gestaltet ist. Der Roman verbindet hier Virtual Reality mit einem Hauch Apokalypse, was ich persönlich sehr mag.

Der Erzählstil ist flüssig und der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut. An manchen Stellen gibt es noch sprachliche Holpersteine. Darüber kann aber hinweggesehen werden, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Erstlingswerk handelt.

Die Hauptfigur Sarah begegnet einem anfangs als eine selbstbewusste, kluge und nachvollziehbar dargestellte junge Frau, was sie sympathisch macht. Leider nimmt ihre Figurenentwicklung stark ab, sobald Lennard auftaucht, in dessen Anwesenheit sie sich auf einmal unterwürfig benimmt und den sie oft an ihrer Stelle sprechen lässt.

Ein oder zwei Kapitel mehr hätten dem Buch gut getan. Die gut aufgebaute Spannung wird rasch aufgelöst. Gegen Ende hin verläuft alles sehr schnell und ehe man sich versieht, ist man über den Höhepunkt hinaus und es endet abrupt.

22. Februar 2025

Rezension: Iron Widow - Rache im Herzen

Originaltitel: Iron Widow

Autor*in: Xiran Jay Zhao
Erschienen: 21. September 2021
Deutsche Ausgabe: 26. Juli 2023

Inhalt: Um Huaxia vor äußeren Bedrohungen zu schützen, steuern jeweils ein Mann und eine Frau einen Kampfroboter. Zu ihnen gehört Zetian, die sich am Mord an ihrer Schwester rächen will. Obwohl die Macht der männlichen Piloten wesentlich stärker ist als die der Frauen, kehrt Zetian im Gegensatz zu ihrem Co-Piloten lebend zurück. Doch statt als Heldin gefeiert zu werden, sperrt man sie ein ... 

„Iron Widow“ ist ein Science-Fiction-Roman, der vor allem durch sein düsteres Setting besticht und einer gelungenen Mischung aus Anime-Elementen und chinesischer Geschichte.

Ein Highlight sind für mich die sehr dynamisch beschriebenen Kampfszenen und das Design der Chrysalises. Insbesondere Fans von Mecha-Animes wie „Neon Genesis Evangelion“ werden hier auf ihre Kosten kommen.

Leider hat mich Hauptfigur Zetian nicht überzeugt. Sie besitzt durchaus interessante Eigenschaften und funktioniert auch als Hauptfigur. Ihre Motive sind verständlich und nachvollziehbar. Ihr Handeln ist allerdings durchweg aggressiv, unreflektiert und sie muss immer das letzte Wort haben, was anscheinend niemanden stört. Hinzukommt, dass sie mit Abstand die stärkste Pilotin von allen ist und das ohne großen Aufwand. Wenn jemand einmal nicht ihrer Meinung ist, wird er oder sie plattgemacht ohne Rücksicht auf Verluste, und erzähltechnisch wird immer hervorgehoben, wie gerechtfertigt ihre Handlungen sind.

Obwohl Zetian aufgewachsen ist wie viele andere Mädchen in dieser Welt auch, scheint sie außerdem die einzige zu sein, die freiheitliches Gedankengut entwickelt und gesellschaftliche Strukturen hinterfragt. Ihre Glaubwürdigkeit hat sie für mich verloren, weil sie eigentlich das Ziel hat, das Patriarchat zu stürzen und alle Frauen aus der Unterdrückung zu befreien, sie gleichzeitig aber Frauen rücksichtslos angreift und tötet, die sich dem System fügen, ohne deren Hintergründe zu hinterfragen. Wenn Zetian diese Frauen so sehr verachtet, frage ich mich, welchen Zweck es überhaupt hat, für sie zu kämpfen. Im ganzen Buch wird keine einzige Frau vorgestellt, die ähnliche Ansichten wie Zetian vertritt.

Dafür dass „Iron Widow“ als ein stark feministisches Werk beschrieben wird, hätte ich mir gewünscht, dass besser mit weiblichen Figuren umgegangen wird. Ich hätte mir zumindest mehr Verständnis von Zetian gegenüber Schwächeren gewünscht oder aber eine konkrete Stellungnahme des Erzählers zu ihrem Verhalten.

Die Liebesbeziehung der drei Hauptfiguren finde ich interessant, die Umsetzung leider sehr holprig. Wie Zetian mit beiden ein Verhältnis aufbaut, ist nachvollziehbar gestaltet. Da sie der gnadenlose Mittelpunkt der Handlung ist, kommt die Beziehung zwischen Yzhi und Shimin definitiv zu kurz und wirkt trotz ein, zwei kurzer Andeutungen sehr gezwungen. Beide wirken wie Zetians Schoßhündchen, die alles für sie tun würden, ohne sie zu hinterfragen, was beide sehr eindimensional macht.

Das Erzähltempo ist sehr schnell. Zum einen treibt es einen als Leser*in gut voran. Zum anderen fehlt wertvolle Zeit, sich in die Welt von „Iron Widow“ hineinzuversetzen. Streckenweise wird nur nacherzählt. Szenen folgen aufeinander, deren Zusammenhang man sich denken muss. Man merkt dem Werk an, dass hier versucht wurde, es auf eine angemessene Länge runterzubrechen, damit es verkaufstechnisch rentabel ist. Mehr wäre in diesem Fall auch mehr gewesen.

Mehr Tiefe hätte dem Roman gut getan, auch eine bessere Ausarbeitung des feministischen Ansatzes. Die Beziehung der Hauptfiguren bleibt trotz ihres Potentials oberflächlich.

18. Februar 2025

Rezension: Aus Sternen und Staub

Originaltitel: The Bones Beneath My Skin

Autor: T. J. Klune
Erschienen: 26. Oktober 2018
Deutsche Ausgabe: 11. Oktober 2023

Inhalt: Um neu anzufangen, besucht Nate Cartwright die abgeschiedene Hütte seiner verstorbenen Eltern. Als er dort ankommt, trifft er auf zwei ungewöhnliche Besucher ...

Die Handlung ist nicht gerade neu, wird aber durch ein paar positive Aspekte, die Klune hineingibt, aufgewertet. Man sollte dennoch mit ein paar abgedroschenen Klischees rechnen. Wenn man damit leben kann, macht das Lesen durchaus Spaß.

Die Figuren sind sehr sympathisch. Im Mittelpunkt der Handlung steht vor allem die Beziehung der drei Hauptfiguren, die sich allmählich entwickelt.

Es gibt einen romantischen Subplot, der sich gut in die Handlung einfügt. An sich passt er sehr gut rein. Lediglich die Sexszene empfand ich dann doch als etwas übereilt und unpassend, aber das ist Geschmackssache.

Leider hat das Buch Längen. Es gibt ein paar Spannungsbögen, die kürzer hätten ausfallen oder gar nicht erst hätten sein müssen, da man als Leser*in entweder schnell dahintersteigt, was eigentlich Sache ist oder aber am Ende gar nichts Schlimmes passiert.
Dass es werbetechnisch mit "Stranger Things" verglichen wird, ist zwar in der Hinsicht nachvollziehbar, da einige Elemente gleich sind. Ansonsten ähnelt "Aus Sternen und Staub" aber eher einem Roadmovie als einem abenteuer- oder actionreichen Werk. Da ist der Vergleich etwas irreführend.