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25. Juli 2026

Rezension: Fusheng Dinghai Records 1

Originaltitel: 定海浮生录 (Dinghai Fusheng Lu) 
Autor: Fei Tian Ye Xiang

Erschienen: 01. Januar 2021
Deutsche Ausgabe: 01. Juni 2026

Inhalt: Einst war das antike China von Magie durchzogen. Jetzt liegt es am jungen Chen Xing, dem letzten Exorzisten, sie zurückzuholen und das Land vor der Apokalypse zu bewahren. Seine einzige Waffe ist die Herzenslampe, mit deren Hilfe er seinen Schutzpatron erwählt. Die Wahl fällt ausgerechnet auf den grimmigen Krieger Xiang Shu, der überhaupt keine Lust darauf hat, die Welt zu retten ...

„Dinghai Fusheng Records“ braucht ein wenig, bis es einen fesselt. Aber das Warten lohnt sich, denn die Story wirkt interessant und vielversprechend. Als Setting hat Fei Tian Ye Xiang das antike China (4. Jh.) ausgewählt, welches einst von Magie durchzogen war und sehr detailreich geschildert wird.

Die beiden Protagonisten funktionieren durch ihre Gegensätzlichkeiten gut. Chen Xings unbedachte, naive Art sorgt immer mal wieder für Lacher, was den düsteren Grundton des Buches auflockert.

Die Lovestory entwickelt sich sehr langsam und ist eindeutig etwas für Fans von Slow Burn. Da es sich bei „Dinghai Fusheng Records“ um eine mehrteilige Reihe handelt sollte man hier viel Geduld mitbringen. Es gibt ein paar witzige Neckereien zwischen den beiden Hauptfiguren, ansonsten können sich die beiden zu Beginn nicht besonders leiden. 

Besonders positiv hervorzuheben ist die Repräsentation, die sogar historisch eingebettet wird. Zentral für die Story sind die Spannungen zwischen den Han und den verschiedenen nomadischen Hu-Stämmen. Unter denen ist Homo- und Bisexualität weit verbreitet und wird von vielen als selbstverständlich betrachtet (unter den Han hingegen gilt diese Lebensweise eher als barbarisch). Schade ist nur, dass weibliche Figuren hier etwas zu kurz kommen.

Der Stil ist einfach gehalten und angenehm zu lesen. Einzig die Infodumps stören das Leseerlebnis. Es gibt unglaublich viel historisches Wissen, das der Autor weitergibt, was einerseits sehr interessant ist und dabei hilft, die Konflikte in der Reihe besser zu verstehen. Nur leider werden diese Fakten oft sehr trocken heruntergeleiert und verlangen einem gelegentlich viel Geduld ab. Dafür gibt es am Ende ein Glossar.

Trotzdem aber ist es ein vielversprechender Auftakt!

24. Juli 2026

Rezension: Meister der Dschinn

Originaltitel: A Master of Djinn

Autor: P. Djèlí Clark
Erschienen: 11. Mai 2021
Deutsche Ausgabe: 04. September 2023

Inhalt: Der Mord an einer geheimen Bruderschaft erschüttert Kairo des frühen 20. Jahrhunderts. Der Mörder behauptet, al-Dschahiz zu sein, der einst die Magie nach Ägypten gebracht hatte. Fatma, jüngste Agentin des Ministeriums für Übernatürliches, wird beauftragt, diesem Fall auf den Grund zu gehen ...

Wenn ich mir von einem beliebigen Buch, das ich gelesen habe, eine Verfilmung wünschen könnte, dann diese hier – sowohl visuell als auch vom Pacing her wäre es einfach genial! „Meister der Dschinn“ besticht mit einer dichten Atmosphäre eines steampunkigen Ägyptens des frühen 20. Jahrhunderts. Clark spielt mit Geschlechterklischees, hinterfragt rassistische Strukturen und packt all das in eine spannende, actiongeladene Story.

Bis auf wenige leicht ausschweifende Umgebungsbeschreibungen bleibt der Stil auf den Punkt und sorgt für ein schnelles Erzähltempo. Zwischen den actionreichen Szenen gibt es auch ruhige Momente, die für eine perfekte Balance sorgen.

Obwohl der Täter sehr früh ein Geständnis abgibt, bleibt es spannend, denn man weiß praktisch nichts über den Mann mit Maske und dessen Motive. Was wie ein Kriminalfall beginnt, endet in einem rasanten Katz- und Mausspiel zwischen Fatma und dem Unbekannten, das von einigen Rückschlägen gezeichnet ist.

Der Krimianteil kommt nicht ganz ohne Klischees aus. So ist Fatma beispielsweise die typische Eigenbrötlerin, die anfangs lieber allein ermittelt, ehe sie sich ihrem Schicksal ergibt. Fatma wirkt neben anderen wichtigen Figuren aufgrund ihrer typischen Ermittlerart vielleicht etwas blass, aber sie funktioniert als Hauptfigur, indem sie den Plot vorantreibt.

Die Kombination aus arabischer Mythologie, Krimi und Historie sorgt für eine originelle Story. Dazu kommen die dynamischen Actionszenen und ein spannender Fall. Definitiv ein Highlight!

9. Juni 2026

Rezension: Totennacht

Titel: Totennacht. Mafed kehrt zurück

Autorin: Jenny Wood
Erschienen: 18. September 2025 (Neuauflage)

Inhalt: Mafed kehrt nach New York zurück, um gemeinsam mit Ian Barnell einen Serienmörder zu fassen, der jungen Frauen die Augen stiehlt. Doch das zerrüttete Verhältnis zwischen den beiden könnten den Ermittlungen im Weg stehen, genauso wie Mafeds Dämonen aus der Vergangenheit ... 

Nachdem Mafed New York am Ende von „Totenfluch“ kurzerhand verlassen hat, kehrt er nun endlich zurück, um sich mit Barnell zu versöhnen – wurde auch höchste Zeit. Es gibt außerdem einen neuen Fall zu lösen, neue Herausforderungen, neue Gottheiten.

Auch Seth ist wieder dabei durch kurze Szeneneinschübe, durch die „Totennacht“ und „Trail to Heka“ miteinander verknüpft werden.

„Totennacht“ ist nicht unbedingt der stärkste Teil der Kemet-Reihe, was an der einen oder anderen Länge liegt und an dem überschaubaren Krimi-Anteil. Dafür überzeugt er auf emotionaler Ebene. Die Beziehung zwischen Mafed und Ian Barnell erlebt hier endlich ihren Höhepunkt.

Es gibt ein paar erotische Szenen, wie im ersten Band, darauf sollte man sich einstellen. Sie sind aber nicht allzu explizit, sodass man sich selbst gut ein Bild dazu machen kann. Wer sie im ersten Band mochte, wird sie auch hier mögen.

Die Romanze dominiert in diesem Band. Die Handlung spielt sich vor allem auf Figurenebene ab und gibt ihnen viel Raum, um sich zu entwickeln. Dafür kommt – ähnlich fast wie in „Totenfluch“ – der Krimi etwas zu kurz. Der Fall schreitet in kleinen Schritten voran, bis Leser*innen schließlich relativ früh herausfinden können, wer der Mörder ist. Es gibt eindeutige Hinweise, und aufgrund des überschaubaren Figurenensembles kommen nicht viele Verdächtige infrage. Sehr schade, aber auch eine Geschmackssache.

Alles in allem ist „Totennacht“ ein unterhaltsamer, lesenswerter Roman, der sowohl mit Gefühl als auch mit Spannung punktet. Ein guter zweiter Band, der nicht ganz an den Vorgänger herankommt, aber dennoch seinen Charme hat.

 

6. Mai 2026

Rezension: Funkenflug

Titel: Funkenflug (Der letzte Schlüssel 2)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 06. Mai 2026

Inhalt: Jule setzt alles daran, Mika und Kestrel aus den Klauen der Avatare zu befreien. Sie findet alte und neue Verbündete, die sie dabei unterstützen, ihre verborgenen Kräfte zu meistern und sie ihrem Ziel etwas näherzubringen. Als sie ihren Widersachern erneut gegenübersteht, erfährt sie eine Wahrheit, die alles auf den Kopf stellt ...

Vieles, was „Seelengrube“ ausmacht, findet sich im Nachfolger wieder: tolle Charaktere, ein ansprechender Stil sowie das detailreiche Worldbuilding, auf welches hier noch weiter eingegangen wird. „Funkenflug“ hält das Niveau des ersten Bandes und beweist mal wieder, wie gut der Genremix funktioniert.

Erneut begleiten wir Jule dabei, wie sie fleißig trainiert, um es bald mit den Avataren aufnehmen zu können. Zeitgleich erfahren wir mehr von der Rebellion gegen Arges, was eine neue Dynamik in die Story bringt. Fragen aus dem ersten Teil werden beantwortet, dafür werden wieder neue aufgeworfen.
Anfangs plänkelt die Handlung etwas vor sich hin, später wird es umso spannender. Höhepunkt und Ende sind sehr gelungen. Insgesamt ist „Funkenflug“ actionreicher als der Vorgänger. Die schnellen Szenen wechseln sich gekonnt ab mit ruhigen und emotionalen, zwischendrin auch immer wieder eine Prise Romantik.

Es gibt Wiedersehen mit Figuren des ersten Teils, die mir sehr gefielen, und mit ihnen einige sehr schöne Szenen. „Funkenflug“ hat wieder viele interessante Figuren, darunter bekannte wie auch neue.

Etwas komisch finde ich es, dass die Hände der Avatare (was sicher ein anspruchsvoller Job ist) nebenher noch Zeit haben, in der Zitadelle zu unterrichten. Sollten sie sich nicht vollumfänglich um den Schutz ihrer Gött*innen kümmern? Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Vielleicht klärt sich das auch noch.

20. April 2026

Rezension: Seelengrube

Titel: Seelengrube (Der letzte Schlüssel)

Autorin: Marie Meier
Erschienen: 20.  September 2025

Inhalt: Jule wurde mit dem Ruf geboren, einer magischen Gabe, die sie jedoch nicht besonders gut beherrscht. Also bereitet sie sich seelisch auf eine langweilige Bürokarriere und Pizzaabende vor. Ihr Pläne ändern sich jedoch, als sie sich nach einer gepatzten Mission im Verlies wiederfindet, gemeinsam mit einem riesigen Monster ...

"Seelengrube" ist eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Der Weltenbau entspricht am ehesten einer Space Opera, gespickt mit einer Prise Magie und Cyberpunk-Elementen. Die Welt ist sehr anschaulich beschrieben. Aufgewertet wird das Ganze durch die Illustrationen von Johanna Lehmert, die zur düsteren Atmosphäre passen.

Mit Jule haben wir eine sehr sympathische und vielschichte Hauptfigur. Sie hat viele kleine Fehlerchen, die sie sehr nahbar machen. Auch die Nebenfiguren sind alle interessant und divers geschrieben.

Die Romanze gliedert sich harmonisch in die Geschichte ein und ist nachvollziehbar gestaltet. Besonders erfrischend ist es, wie Marie Meier gängige Stereotypen bricht. Es gibt intime Szenen, in denen mehr auf die Gefühle der Figuren gesetzt wird anstatt auf Explizität, was ebenfalls passt.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Nach etwa einem Drittel des Buches habe ich ein wenig den Roten Faden verloren und es war nicht ganz ersichtlich, in welche Richtung die Handlung gehen soll. Das war zum Glück halb so wild, da es trotzdem interessante Einblicke in Jules Leben gibt und man viel über die Welt erfährt beim Lesen.

Das Ende stellt nochmal einiges auf Kopf und so langsam wird deutlich, worum es eigentlich geht. Jule fasst schließlich ein klares Ziel, das sie erreichen will, was es spannend macht und die Wogen für einen zweiten Teil glättet.

Alles in allem ein gelungenes Debüt mit sehr viel Liebe zum Detail.

7. April 2026

Rezension: Prism

Titel: PRISM

Autorin: Katherina Ushachov
Erschienen: 21. April 2025

Inhalt: Penelope, Sofie und Kader leben in einem Polykül und sind zeitgleich Arbeitspartner*innen, die PRISM entwickeln. PRISM ist eine Technik, mit der das Bewusstsein in eine virtuelle Realität hochgeladen wird, um so Verbrechen aufzuklären ...

Obwohl gelegentlich erwähnt wird, dass die Nutzung von PRISM moralisch fragwürdig ist, wird dies im Roman nicht wirklich exploriert. Wie PRISM funktioniert und eingesetzt werden kann, wird nur selten gezeigt. Die Arbeit der drei Figuren wird als etwas Lästiges geframet und erhält nicht viel Platz in der Erzählung, obwohl gerade das den interessanten Aspekt des ausgemacht hätte. Anstatt sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, erleben wir hier verschiedene Etappen aus dem Leben von Penelope und ihrer Tochter. Mit dabei ihre beiden Partner*innen, die etwas blass bleiben.

Was gut läuft, ist die Repräsentation. Da alle drei Hauptfiguren queere PoCs sind, haben sie zusätzliche Hürden zu bewältigen in ihrem Leben, was in der Handlung stark beleuchtet wird. Es gibt immer wieder kleinere Situationen, in denen gezeigt wird, dass die Figuren in einer heteronormativen Gesellschaft nicht gesehen werden.
Schade ist es, dass in einigen beschriebenen Situationen ausbleibt, woher die Diskriminierung rührt, da von Penelope oft eingeworfen wird, dass es an ihrer Arbeit an PRISM liegen könnte und nicht etwa an ihrer Herkunft oder Sexualität.

Interessant ist es, wie verschiedene Farbcodes in den Text eingebaut wurden. Ansonsten konnte „PRISM“ mich sprachlich nicht wirklich überzeugen, wobei ich schon deutlich Schlimmeres gelesen habe.

Gegen Ende spitzt sich die Handlung sehr schnell zu, wird aber ebenso schnell wie enttäuschend aufgelöst. Ich hätte mir letzten Endes mehr Science-Fiction und weniger Familiendrama gewünscht.

26. Februar 2026

Rezension: The Empress of Salt and Fortune (Die Chroniken von Chih)

Originaltitel: The Empress of Salt and Fortune. The Singing Hills Cycle 1

Autorin: Nghi Vo
Erschienen: 24. März 2020

Deutsche Ausgabe: 2. Februar 2026 im Cross Cult Verlag

Inhalt: Nachdem ihre Armeen besiegt sind, wird die junge Adlige In-yo in den Süden geschickt. Nach der Geburt des Thronfolgers findet der Kaiser keine Verwendung mehr für sie und sie lebt abgeschieden von allen. Ihre treueste Verbündete ist ein Dienstmädchen, das einst als kleines Kind von ihren Eltern an den Palast verkauft wurde. In-yo ist fest entschlossen, zurückzuschlagen, sobald das Glück auf ihrer Seite ist ...

„The Empress of Salt and Fortune” überzeugt mit interessanten Figuren, Casual Queerness, einem chinesisch angelehnten Setting und einer gesunden Portion Female Rage. Es gibt eine klassische Rahmenhandlung, in welcher Chih als Chronist*in fungiert und verschiedene Geschichten niederschreibt. Im ersten Teil geht es um die vertriebene Kaiserin In-yo, erzählt aus der Perspektive ihrer treuen Dienerin.

Die Erzählung überzeugt weniger durch Action und mehr durch ruhige Töne. Trotz oder vielleicht auch wegen der Kürze ist der Text wirkungsvoll. Der einzige Nachteil ist, dass es gegen Ende hin ziemlich schnell geht. Da wäre ein wenig mehr Tiefe schön gewesen. Nichtsdestotrotz fand die Story einen guten, befriedigenden Abschluss.

Die fantastischen Elemente sind sehr dezent gesetzt und fügen sich gut in die Handlung ein, ohne sie zu dominieren. Es gibt z. B. sprechende Vögel, die Neixin, und Mammuts. Wahrsagen spielt eine wichtige Rolle in der Erzählung. In-yo wird trotz ihrer Lage die Herrscherin über das Glück genannt. Dass dieser Beiname nicht von ungefähr kommt, zeigt sich immer wieder dann, wenn sie in einfachen Glücksspielen gewinnt.

Eine schöne, kurzweilige Geschichte und ein guter Reihenauftakt mit Potenzial.

18. Februar 2026

Rezension: Trail to Heka


Titel: Trail to Heka. Seth auf der Suche

Autorin: Melanie Vogltanz
Erschienen: 31. Oktober 2023
Neu erschienen: 19. Februar 2026 im Second Chances Verlag

Inhalt: »Sie haben etwas, das dir gehört :( Hole es zurück, oder sie werden es benutzen!« Mit dieser Nachricht wird Seth von einer alten Feindin nach Kanada gelockt. Er begibt sich auf die Suche nach einem Teil seiner Kräfte, der nicht in falsche Hände gelangen sollte. Von dem er sich eigentlich selbst längst losgesagt hat. Nun ist es für Seth an der Zeit, sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen ...

Es geht weiter mit der Kemet-Reihe, diesmal dreht sich alles um Seth. Während er sich vorher noch die Bühne mit Mafed teilen musste, hat er hier wieder Gelegenheit selbst zu glänzen. Nicht unbedingt äußerlich, aber er ist zweifellos eine vielschichtige und, trotz seiner vielen Unzulänglichkeiten, die den Gott (paradoxerweise) menschlich erscheinen lassen, sympathische Figur. Er handelt nicht immer richtig, manchmal möchte man ihn für sein Verhalten einfach ohrfeigen. Dennoch kann man ihn verstehen.

Wie auch in den Vorgängern kommt dieser Band nicht ohne eine Spur ägyptischer Mythologie aus. Seth ist eine wirklich interessante und gelungene Neuinterpretation des altägyptischen Gottes der Wüste und der Stürme. Er selbst strahlt nicht nur nach außen hin Chaos aus, er zieht es regelrecht an, und wenn er handelt, ist auch das Ergebnis, trotz besten Bemühens, immer chaotisch.

„Trail to Heka“ ist ein Roadtrip. Aber auch wenn wir einiges über die einzelnen Stationen in Kanada erfahren, die Seth besucht, stehen im Vordergrund von „Trail to Heka“ die Figuren. Man könnte es schon fast eher als einen Selbstfindungstrip betrachten. Ab etwa der zweiten Hälfte verliert der Roman den Roadtrip-Charakter und die Handlung wird von Spannung und Action dominiert, bis sie in ein emotionales Ende mündet – eine sehr gute, unterhaltsame Mischung.

Melanie Vogltanz hat einen sehr schönen, flüssigen Stil, der sich super lesen lässt. Ihre Stärke liegt vor allem in emotionalen Szenen. Besonders schön ist es auch, wie selbstverständlich sie mit dem Thema Queernes umgeht und wie selbstverständlich Seth damit umgeht. Wie schon in den Vorgängerbänden sind hier die Figuren mal wieder sehr vielschichtig und divers gestaltet.

„Trail to Heka“ ist eine spannende Fortsetzung der Kemet-Reihe, die zudem Lust auf mehr macht.

12. Januar 2026

Rezension: Wolfsprinzessin. Sturz ins Feuer (Teil 2)

Titel: Wolfsprinzessin. Sturz ins Feuer

Autorin: Elisa Miller
Erschienen: 05. November 2025

Inhalt: Alle sind auf der Suche nach der Wölfin. Für Liria gibt es alte und neue Verbündete. Aber kann sie ihnen auch trauen? Und wird sie zurückkehren, um als rechtmäßige Erbin den Wolfsthron anzunehmen?

Mit „Sturz ins Feuer“ wird die Geschichte unserer Wolfsprinzessin nahtlos fortgesetzt. Der zweite Teil kann mit dem Vorgänger definitiv mithalten, sowohl inhaltlich als auch sprachlich.

Das Figurenensemble ist sehr divers und abwechslungsreich, wodurch gute Dynamiken entstehen. Es gibt neue Figuren, die das Ensemble ergänzen und einige freudige Wiedersehen, die man nicht immer auf den ersten Blick erkennt. Die einzelnen Schicksale sind raffiniert miteinander verwoben und finden schließlich einen gemeinsamen Nenner. Es gibt neue Bündnisse, die man anfangs so nicht vermutet.

Sprachlich ist “Sturz ins Feuer“ natürlich sehr schön. Gelegentliche Highlights sind mal wieder die Zwischenkapitel, die die vierte Wand durchbrechen und die Erzählung aufwerten. Insgesamt ist der zweite Teil etwas dialoglastiger als der erste. Da der Fokus auf Figurenentwicklung liegt, passt der Stil sehr gut.

Das Ende ist sehr ungewöhnlich erzählt, bildet dafür einen guten Abschluss der Geschichte, wenn auch etwas bitter-sweet. Es passt zum allgemeinen Ton der Dilogie. Wie bereits zu Teil 1 erwähnt, darf man hier keine großen Schlachten oder einen ähnlichen epischen Ausgang erwarten. Die Handlung wird vor allem durch die Figuren getragen.

„Sturz ins Feuer“ ist ein Muss für alle, die schon Teil 1 mochten. Es lohnt sich, die Story weiterzuverfolgen.

22. November 2025

Rezension: The Spirit Bares Its Teeth - Der Tod besiegt alles

 Originaltitel: The Spirit Bares Its Teeth

Autor: Andrew Joseph White
Erschienen: 5. September 2023
Deutsche Ausgabe: 3. November 2025 (bei Cross Cult)

Inhalt: Trans Junge Silas denkt nicht daran, eine gehorsame Speaker-Ehefrau zu werden, so wie seine Eltern es für ihn vorherbestimmen. Sein Versuch, der arrangierten Ehe zu entkommen, misslingt und er wird in ein Mädchensanatorium gesteckt, wo er die "Schleierkrankheit" auskurieren soll. Doch dort spuken nicht nur die Geister ...

Andrew Joseph White zeigt in „The Spirit Bares Ist Teeth“ auf erschreckend bildliche Weise, wie patriarchale Strukturen marginalisierten Gruppen schaden können. Der Horror von liegt nicht im Durchbrechen der Geister in die reale Welt, auch nicht allein an den Gräueltaten, die den Figuren angetan werden, sondern an der Ungewissheit, die ständig zwischen den Zeilen schwebt. Das Sanatorium selbst wirkt nach außen hin relativ harmlos. Der eigentliche Schrecken liegt stets im Verborgenen. Leser*innen finden relativ früh heraus, was im Sanatorium vor sich geht, was für eine spannungsgeladene, drückende Stimmung sorgt.

Die düstere Atmosphäre eines alternativen viktorianischen Londons kommt sehr gut rüber, aufgewertet durch phantastische Elemente wie Geisterbeschwörungen, was an klassische Schauerromane erinnert. Silas mag so seine Eigenheiten haben, was ihn aber zu einem unglaublich nahbaren und einzigartigen Hauptcharakter macht. Ich habe wirklich von Seite zu Seite mit ihm mitgefiebert, mit ihm gefreut oder seine Ängste gespürt.

Der Stil ist sehr immersiv und bildlich. Die meisten Metaphern sind medizinischen Ursprungs, erinnern an Operationen. Das liegt vor allem an der Obsession der Hauptfigur für die Chirurgie. Aber sie funktionieren und geben dem Roman eine spezielle Eigennote.

Auch wenn es als Jugendbuch vermarktet ist, kann ich es nicht wirklich als solches einordnen. Es gibt explizite Gewaltdarstellungen, darunter körperliche Misshandlungen und Operationen bei Bewusstsein, und psychischen Terror. Silas‘ Umfeld ist extrem ableistisch, misogyn und transphob. Wenn man das Buch lesen möchte, sollte man solche Dinge aushalten können.

Sowohl sprachlich als auch inhaltlich ein unglaublich fesselnder Roman und ein persönliches Lesehighlight für mich.


Rezension: Tim & Keiji und der magische Adventskalender

Titel: Tim & Keiji und der magische Adventskalender

Autor*in: Arden Skye
Erschienen: 24. Dezember 2024

Inhalt: Die beiden Freunde Tim und Keiji bekommen einen mysteriösen Adventskalender geschenkt, der sie jeden Tag aufs Neue in eine magische Weihnachtswelt entführt ...

Mit „Tim & Keiji und der magische Adventskalender“ erleben Leser*innen gemeinsam mit den Titelfiguren viele kleine Abenteuer in einer weihnachtlichen Parallelwelt. Die Story richtet sich zwar eher an Jugendliche, kann aber genauso gut von Erwachsenen gelesen werden.
Das Buch selbst ist mit den 24 Kapiteln, also für jedes Türchen eines, wie ein Kalender aufgebaut. Die Kapitel sind vom Umfang her alle ähnlich und relativ kurz, was heißt, dass man selbst an stressigen Dezembertagen Zeit finden kann, ein Kapitel zu lesen, wenn man das Buch selbst wie einen Kalender betrachten möchte.

Die Handlung braucht ein wenig, bis sie Fahrt aufnimmt. Aber es lohnt sich. Es gibt einen Handlungsstrang in der Weihnachtswelt, die nur über den Adventskalender betreten werden kann. Dort geht es sehr harmonisch zu, wodurch eine gemütliche Vorweihnachtsstimmung aufkommt. Im zweiten Strang dreht es sich um Keiji und Tim in der realen Welt. Es gibt immer mal wieder kleine Konflikte, die sich aber sehr schnell wieder auflösen. Drama kommt hier also weniger auf.
Besonders schön ist es, wie divers die Freundesgruppe der beiden Teenager ist und wie gut sich alle verstehen. Auch wenn Freundschaft und Familie viel stärker thematisiert werden als Romantik, erinnert die Stimmung, die aufkommt, ein wenig an Heartstopper.

Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen, ideal für jüngeres Publikum. Es gibt nur ein paar ungewöhnliche Eigenheiten, z. B. häufige Sätze, die mit „indes“ eingeleitet werden. Aber darüber kann man hinwegsehen.

Eine tolle Weihnachtslektüre mit viel Cozyness, sowohl für Jüngere als auch Ältere. 

7. November 2025

Rezension: Wolfsprinzessin. Ruf des Mondes (Teil 1)

Titel: Wolfsprinzessin. Ruf des Mondes

Autorin: Elisa Miller
Erschienen: 05. November 2025

Inhalt: Liria ist die Erbin des Wolfsthrons. Es wird gemunkelt, dass sie nicht die Richtige Nachfolgerin ihrer Mutter ist. Und dann taucht auch noch ihr lang verschollener Zwillingsbruder wie aus dem Nichts auf ...

"Ruf des Mondes" ist der erste Teil der Dilogie "Wolfsprinzessin", welche im zweiten Teil nahtlos weitergeht. Wir haben hier also keine abgeschlossene Handlung.

Es ist ein wirklich interessanter, empfehlenswerter Roman mit einer etwas ungewöhnlichen Erzählweise. Schön ist vor allem, wie mit der Werwolfsthematik umgegangen wird. Die Magie ist in diesem Teil sehr subtil gestreut. Sie ist allgegenwärtig, auch wenn sie nicht immer erwähnt oder gezeigt wird, was zum einen für Spannung sorgt und wodurch sich dieses Werk von anderen Werwolfsgeschichten abhebt.

Trotz typischer Elemente wie Magie, Formwandlern und Thronfolgerkonflikt haben wir es hier nicht mit typischer High Fantasy zu tun, sondern mit Figurenfantasy, die, wenn auch mit besonderer Eigenart, entfernt an Reihen wie "Das Lied von Eis und Feuer" erinnern.
Wer epische Schlachten oder die Rettung der Welt gegen böse Mächte erwartet, wird von diesem Buch eher enttäuscht werden. Wer sich jedoch gern auf eine etwas ungewöhnliche Lesart und eine von Figuren getragene Story einlassen möchte, wird in "Wolfsprinzessin" die richtige – durchaus auch fordernde – Lektüre finden.

Die Titelfigur ist ein wichtiger Teil des Figurenensembles, tritt jedoch selbst, ganz gemäß ihrem scheuen Charakter, in den Hintergrund, was Platz für andere Perspektiven schafft. Genau das ist auch das Besondere an diesem Roman. Es gibt verschiedene Sichten auf Ereignisse, jede Figur hat eigene Interessen, die weder als gut noch als böse eingeordnet werden können, was sie sehr vielschichtig macht. Besonders schön ist es, wie divers die Figuren sind. Der einzige Nachteil ist, dass sich die Handlung dadurch recht langsam aufbaut.

Stilistisch ist "Wolfsprinzessin" sehr gelungen. Aufgewertet wird der Roman durch viele intertextuelle Bezüge. Eine Besonderheit sind die Meta-Einschübe. Es gibt einen fiktiven Erzähler, der mit den Leser*innen mal über die Kunst des Erzählens und Genrekonventionen philosophiert, ungewöhnliche Handlungswendungen erklärt und mal auf ganz andere Weise weitererzählt. Sehr interessant und bereichernd sind die als Prätexte inszenierten Zwischenkapitel, die einen neuen Blickwinkel auf die Handlung ermöglichen.

"Ruf des Mondes" ist ein recht langsam aufbauender Dilogie-Auftakt, der an einer sehr brisanten, aber doch genau richtigen Stelle endet.

15. Oktober 2025

Rezension: Ab sofort Dämonenkönig (Light Novel)

Originaltitel: 今日からマのつく自由業! (Kyou Kara Maoh!)
Autorin: Tomo Takabayashi
Illustratorin: Temari Matsumoto

Erschienen: 1. Januar 2000
Deutsche Ausgabe: 2. April 2008

Inhalt: Nachdem Mittelschüler Yuri Shibuya durch die Toilette in eine andere Welt gespült wird, landet er im Reich der Dämonen. Diese wollen ihn zum König krönen und mit ihm als Anführer einen Krieg gegen die Menschen führen. Doch darauf hat Yuri keine Lust. Er nutzt seine Position, um für Frieden zu sorgen.

„Ab sofort Dämonenkönig!“ ist eine Light Novel-Reihe, auf die der Anime „Kyou Kara Maoh!“ basiert. Sie gehört den Genres Comedy und Fantasy, speziell Isekai, an und erzählt die Geschichte von Yuri, einem normalen Teenager, der durch die Toilette in eine mittelalterliche Fantasy-Welt gespült wird.

Kaum eine Reihe hat mich so sehr zum Lachen gebracht wie „Ab sofort Dämonenkönig“. Sie ist eine absolute Empfehlung für alle, die Comedy lieben und gern mal eine etwas andere Fantasy-Story lesen möchten. Insbesondere die skurrilen, aber liebevollen Figuren und die subversiven Fantasy-Elemente sorgen hier für Komik. Obwohl der Fokus auf Humor liegt, gibt es aber auch den ein oder anderen sozialkritischen Unterton.

Der Anfang des ersten Bandes zieht sich etwas, nimmt aber ab der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt auf. Das ist verzeihlich, weil es sich um den Auftakt der Reihe handelt, und es hat natürlich auch den Vorteil, dass man als Leser*in langsam an die neue Welt herangeführt wird, in die Yuri gelangt. Die Bände danach steigen dafür sehr schnell ins Geschehen ein.
Der Schreibstil ist einfach und klar gehalten. Insgesamt liegt das sprachliche Niveau für einen Light Novel aber sehr hoch. Die Reihe kann meines Erachtens gut mit „normalen“ Romanen mithalten, was den Anspruch angeht. Sowohl Anime/Manga-Fans als auch klassische Romanleser*innen werden also mit „Ab sofort Dämonenkönig“ ihren Spaß haben.

Ich habe die Light Novels begonnen, nachdem ich den Anime geschaut habe. Die ersten beiden Staffeln halten sich sehr an die Vorlage, die dritte, rund um Saralegui, driftet sehr ab. Die Bücher übertreffen den Anime, welchen ich bereits sehr mochte, um Längen. Besonders die Figuren besitzen eine charakterliche Tiefe, was sie so sympathisch macht. Allen voran Murata, den ich im Anime erst gar nicht mochte, sorgt in den Light Novels für regelmäßige Highlights.
Da es sich um Comedy handelt, sollte man mit einigen überspitzten Darstellungen rechnen. Takabayashi hat aber ein Händchen dafür, die Figuren nicht ins Lächerliche zu ziehen und ihnen ihren Charme zu lassen.

Matsumotos Zeichnungen wirken zu Beginn der Reihe etwas grob. Ihr Stil verbessert sich jedoch von Band zu Band. Die Manga-Reihe, ebenfalls von Matsumoto gezeichnet, ist hingegen sehr schön geworden. Wer ihren Stil bewundern möchte, sollte sich also lieber den Manga schnappen. Abgesehen von den anfänglichen Schwächen passen die Zeichnungen gut zur Handlung und untermalen einige sehr witzige Szenen.

Sehr schade ist es, dass die deutsche Reihe nach Band 14  (erschienen 2011) abbricht und das Ende von Yuri offenlässt. Wer dennoch wissen möchte, wie es weitergeht, dem kann ich den gleichnamigen Manga ans Herz legen.


11. Oktober 2025

Rezension: Nebby Dove

Titel: Nebby Dove - Gefährliche Winde

Autorin: Veronica Carver
Erschienen: 31. Juli 2025 im Wunderzeilen Verlag

Inhalt: Die Aeronautin Tracy Kane jagt einem sagenumwobenen Himmelswal hinterher. Dieselben Pläne verfolgt jedoch auch der berüchtigte Luftpirat Captain Magnus Woodleg. Es beginnt ein ein rasanter Wettlauf und ein Abenteuer, das Tracy nicht allein bestreiten kann. Auf ihrer Reise trifft sie u. a. auf einen geflohenen Piraten, ein Musikertrio und auf eine gerissene Ingenieurin ...

Manchmal gibt es Bücher, bei denen ich gar nicht so richtig weiß, was man daran kritisieren könnte, weil es eben kaum was zu kritisieren gibt. "Nebby Dove" ist ein durchweg unterhaltsames Buch. Es hat sozusagen genau das, was ich für eine runde Story brauche – ein wenig Action, ein wenig Liebe, eine einzigartige Welt, interessante Charaktere, eine Prise Humor und Piraten.

Besonders schön ist es, wie viel Wert Veronica Carver auf Diversität legt, die innerhalb der Welt als selbstverständlich wahrgenommen wird, nicht ohne auch etwas Gesellschaftskritik zu üben. Es gibt Queerness, Behinderungen, verschiedene Ethnien. Selbst Tiermenschen, Arkanier genannt, finden in der Welt von "Nebby Dove" einen Platz. Sehr gut fand ich vor allem den sapphischen Romance-Subplot.

Die Welt wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt. Die Beschreibungen verleihen dem Roman eine dichte, steampunkige Atmosphäre, was einem gleich ein Bild vor dem geistigen Auge schafft. Perfekt, um in eine neue, eigentümliche eintauchen zu wollen.

Genauso eigentümlich ist auch der Charakter der Protagonistin Tracy. Sie hat zudem einen hohen Tatendrang, was sie zu einer idealen Hauptfigur macht. Ebenso die anderen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und irgendwie schließt man die gesamte Truppe schnell ins Herz.
Besonders gelungen an „Nebby Dove“ ist das Pacing. Es gibt eine gesunde Mischung aus ruhigen und actionreichen Szenen sowie einen sehr guten Spannungsbogen, was sehr zum Lesefluss beiträgt.

Insgesamt kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

8. September 2025

Rezension: Path into Duat

Titel: Path into Duat. Seth und Mafed

Autorin: Melanie Vogltanz, Jenny Wood
Erschienen: 07. August 2025 (Neuauflage)

Inhalt: Der gefallene Chaosgott Seth hat es nicht leicht. Erst taucht da dieser arrogante New Yorker Yuppie, Rechtsmediziner Doctor Jahi Mafed, in seiner Bar auf, dann wird er auch noch des Mordes beschuldigt. Es sieht nicht gut aus für Seth, selbst seine Freunde zweifeln an seiner Unschuld. Nur Mafed hält bis zum Schluss zu ihm ...

"Path into Duat" ist der dritte Teil der Kemet-Reihe und eine gemeinsame Fortsetzung der beiden Bände "Road to Ombos" (Seth) und "Totenfluch" (Mafed). Da es sich um abgeschlossene Storys handelt, kann man ihn problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Wenn Bezug auf die Vorgänger genommen wird, dann werden die wichtigen Geschehnisse hinreichend erklärt.

Der Roman nimmt viele positive Aspekte beider Vorgänger auf und verbindet sie zu etwas Neuem. Da ist einmal das Wüstensetting, das ideal zu den ägyptischen Göttern passt, auch wenn wir uns jetzt in Nevada befinden und nicht mehr in Ägypten. Dann wären da noch die Krimielemente. Interessant ist, dass es diesmal kein typsicher Krimi ist und wir stattdessen eine andere Perspektive, die des Beschuldigten, einnehmen. Nichtsdestotrotz bleibt die spannende Suche nach der Wahrheit nicht aus.

Die Handlung ist recht übersichtlich: Seth wird des Mordes beschuldigt und muss da irgendwie wieder rauskommen, was gar nicht so einfach ist, weil alles gegen ihn spricht. Lange Zeit schweben sowohl die Figuren als auch Leser*innen im Unwissen, ob er es nun war oder nicht, was für Spannung sorgt.

Im Vordergrund stehen die Figuren – ihre Beziehungen zueinander, ihre Entwicklungen, die sie durchmachen. Das ist auch die große Stärke dieses Romans. Seth und Mafed sind unglaublich nahbare Figuren mit ihren Stärken und ebenso den Schwächen, was die beiden Götter fast schon menschlich macht. Dass die beiden so unterschiedlich sind, sorgt immer wieder für eine spannungsgeladene Atmosphäre. Und trotzdem haben sie einiges gemeinsam, wie sie im Laufe der Handlung herausfinden.

Das Pacing ist gut. Es gibt genug ruhige Momente, in denen man die Figuren besser kennenlernt. Etwas abrupt wirkt lediglich ein größerer Zeitsprung nach etwa der Hälfte der Story, den ich etwas seltsam fand. Das Lesevergnügen überwiegt aber und man kann gerne über solche Kleinigkeiten hinwegsehen.

8. Juni 2025

Rezension: Totenfluch

Titel: Totenfluch. Ein Fall für Mafed und Barnell

Autorin: Jenny Wood
Erschienen: 27. März 2025 (Neuauflage)

Inhalt: Als längst vergessener Totengott hat es sich Mafed im heutigen New York gemütlich gemacht, wo er als Rechtsmediziner beim NYPD arbeitet. Als ausgerechnet in der ägyptischen Abteilung des Museums ein Mord geschieht, muss er mit Detective Barnell gemeinsam ermitteln. Zeitgleich scheint die Vergangenheit Mafed einzuholen ...

Die Lektüre habe ich wirklich genossen. "Totenfluch" überzeugt durch eine gelungene Mischung aus Fantasy, Krimi und ägyptischer Mythologie.

Mafed ist ein sehr sympathischer Charakter mit Höhen und Tiefen. Besonders die Rückblicke aus seiner Vergangenheit machen ihn so nahbar.

Nach und nach erkennt man, wie die zuerst zusammenhanglos wirkenden Kapitel ein Gesamtbild ergeben und sich die Handlungen der beiden verschiedenen Zeitebenen verflechten. Der Fall selbst ist relativ vorhersehbar, zumal das Figurenensemble doch recht überschaubar ist. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, die beiden Protagonisten bei den Ermittlungen zu begleiten und an der ein oder anderen Stelle mitzufiebern.
Eine schöne Abwechslung zu den Krimielementen bieten die ruhigen Szenen, die das Privatleben der beiden beleuchten. Ganz allmählich baut sich zwischen Mafed und Barnell, die sich anfangs nicht wirklich leiden können, sowas wie Freundschaft auf. Es hängt die ganze Zeit etwas Unaussprechliches in der Luft und man wartet nur darauf, bis endlich einer der beiden das Eis bricht. Trotz des ganzen Dramas rund um Blut und Mord bleibt auch der Humor nicht auf der Strecke. Immer wieder gibt es kurze Momente, die die Ernsthaftigkeit des Falls einmal vergessen lassen, die einen zum Lachen bringen.

Etwas irritierend sind die Unterhaltungen von Mafed und Barnell übers Siezen. Im deutschsprachigen Raum wären sie nachvollziehbar, da es aber in New York spielt, wirkt es etwas seltsam.

Es gibt einige erotische Szenen, die nicht unbedingt dazu beitragen, den Plot voranzubringen. Wenn man sie nicht mag, kann man sie getrost ignorieren. Sie sind aber ansprechend geschrieben. Sie sind keinesfalls vulgär, trotz der Explizität nicht zu detailliert, sodass man sich selbst ein Bild machen kann, und vor allem sind sie queer, daher haben sie mir persönlich sehr gefallen, und das obwohl ich kein großer Fan von Spice in Büchern bin. Wenn man sie mag, großes Plus.

Der Auftakt hat mir mit seinem Genre-Mix wirklich sehr gefallen und ich freue mich bereits auf den nächsten Teil. Vielen Dank an Netgalley für das kostenlose Rezensionsexemplar.

28. April 2025

Rezension: Verlorene Städte (Lichter unter London 1)

Titel: Verlorene Städte (Lichter unter London 1)
Autorin: Anne Herzel
Erschienen: 1. April 2025

Inhalt: In den 90ern wurde unter London ein riesiges Höhlensystem entdeckt, welches sagenumwobene Schätze beherbergt. Durch ein Missgeschick rutscht Maeve in diese Katakomben ab und muss nun einen Weg hinausfinden. 

"Verlorene Städte" hat ein cooles Konzept. Leider hat mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen können.

Das Positive zuerst: Mir gefiel die Repräsentation von nicht-binären Figuren. Einmal Hauptfigur Maeve sowie die Idee eines ganzen Volkes ohne festgeschriebene Geschlechterrollen. Dafür gibt’s einen großen Pluspunkt.

Die Welt wurde mit viel Liebe zum Detail erschaffen. Es gibt viele interessante Pflanzen und Tiere in den Katakomben. Mal lauern dort unten Gefahren, mal trifft Maeve auf harmlose, niedliche Hermeline. Etwas schade ist es, wie es umgesetzt wurde. Gleich zu Beginn wird ein unterirdisches Phänomen nach dem anderen wie am Fließband abgefertigt - der Name wird genannt, gefolgt von einer kurzen Erklärung, was es ist. Kaum freundet man sich mit den neuen Fakten an, entdeckt Maeve das nächste Phänomen. Anstatt vollends in die Welt eintauchen zu können, muss man mit viel Infodump rechnen. Das bessert sich im Verlauf recht schnell, dafür gibt es später andere Schwächen.

Auch wenn Maeve ein klares Ziel vor Augen hat, fand ich ihr Handeln nicht immer ganz nachvollziehbar. Ihr Charakter wirkt sehr blass und passiv. So naiv, wie sie sich in den Katakomben bewegt, merkt man ihr nicht wirklich an, dass sie Katakombenforschung (ein merkwürdig spezifischer Studiengang) studiert. Ihre Vorgeschichte wirkt leider sehr klischeehaft. Auch wenn es nicht komplett an der Realität vorbei ist, finde ich es ein wenig schade, dass Maeves gesamtes Umfeld so übertrieben transfeindlich und verständnislos dargestellt wird, dass man sie sogar aus dem Haus geschmissen hat.

Mit den anderen Charakteren wurde ich ebenso wenig warm. Blaise und Selvice hatten ihre Momente, nur wirklich mitfiebern konnte ich nicht, da sie mir nicht viel bedeuteten.

Die Handlung wirkt an einigen Stellen sehr konstruiert. Man hat den Anschein, als geschähen manche Dinge nur, damit der Plot vorwärtsgeht.

Mich wundert es beispielsweise, wie die gesamte Frenzy Plant in Flammen stehen konnte – in einer Höhle! – Maeve festhielt, diese aber weder Probleme mit übergreifenden Flammen noch mit Rauch hatte. Anschließend fällt sie, nachdem der Boden unter ihnen zusammenbricht, weich auf das Teil drauf, das eben noch lichterloh gebrannt hat.

Schade ist es auch, dass eine große Enthüllung gegen Ende des Buchs, so interessant sie auch war, nur entsteht, weil die Figuren nicht vorher miteinander geredet haben (obwohl Maeve schon so viele Wochen unter der Erde verbracht hat).

Sprachlich ist es nicht immer ganz rund. Es gibt manchmal merkwürdige Wendungen, wie z. B. "Das Flüstern trug nicht weit, wahrscheinlich um niemanden zu stören." (Hat Flüstern so an sich, dass es nicht jede*r hören soll.) Solche Sätze kann man geflissentlich ignorieren, da es sich sonst recht flüssig liest. Weniger schön ist die inkonsequente Deklination von "dey". Mal ist der Akkusativ "demm", mal ist er "dey". Mal steht "dey" sogar als Dativ da, was grammatikalisch falsch ist.

Mein Highlight war es nicht, aber man kann dennoch seinen Spaß mit diesem Buch haben, wenn man die Handlung mal außer Acht lässt und einfach nur in die Welt eintauchen will.

17. April 2025

Rezension: Der Jasmin-Thron

Originaltitel: The Jasmine Throne

Autorin: Tasha Suri
Erschienen: 08. Juni 2021
Deutsche Ausgabe: 3. März 2025

Inhalt: Pryia ist eine ehemalige Tempeltochter, deren Familie im Feuer getötet wurde, Malini eine Prinzessin, die von ihrem Bruder ins Exil verbannt wurde. Während Pryia einen Weg zurück zu ihren Wurzeln sucht, will Malini Rache. Als auch noch Aufstände im Reich drohen, tun die beiden sich zusammen und merken, dass die beiden mehr als nur politische Interessen verbindet ...

"Der Jasmin-Thron" ist ein Buch, das  eindeutig mehr Hype verdient. Es gibt eine interessante Welt, politische Intrigen, Magie und nachvollziehbare Figuren mit unterschiedlichen Interessen, was für Spannungen sorgt. Noch dazu hat Tasha Suri einen sehr ansprechenden, poetischen Schreibstil.

Wer Romance nicht mag, sollte sich durch die Bezeichnung Romantasy nicht abschrecken lassen. Die Liebesbeziehung der beiden Protagonistinnen ist eigentlich nur eine nebensächliche Handlung. Sie ist aber einer von vielen Faktoren, die dieses Buch so gut machen.

Die Handlung baut sich sehr langsam auf und ist zuweilen auch recht dialoglastig. Im ersten Band geht es vor allem darum, die verschiedenen Figuren und Handlungsstränge vorzustellen.  Dafür wird so eine wunderbar dichte Atmosphäre geschaffen und man hat genug Zeit, die einzelnen Figuren und ihre Motive kennenzulernen und in eine indisch inspirierte Fantasywelt einzutauchen. Nicht unbedingt etwas für Actionfans, nichtsdestotrotz gibt es auch actionreiche Momente und einen sehr guten Handlungsbogen.

Ein sehr guter Auftakt für eine Trilogie, auf deren Folgebände ich mich schon sehr freue.

13. April 2025

Anna Kleve: Vampir x Zahnfee

Autorin: Anna Kleve
Erschienen: 8. März 2024

Inhalt: Zahnfee Niall soll nun die Zähne von besonderen Wesen sammeln. Nachdem er aber in einen Sturm gelangt, wird er vom Vampir Jeremy gerettet. Dieser möchte die Fee eigentlich aussaugen, doch dann wird seine Nichte entführt und er ist auf Nialls Hilfe angewesen.

Der Titel hält definitiv, was er verspricht. Ein Vampir und eine Zahnfee ist schon eine wilde Kombi. But why not? Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an, und die Story ist verblüffend unterhaltsam.

Vorweg sollte man wissen: Es gibt zwei POV’s mit schnellen Wechseln. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man damit kein Problem, kommt man gut rein. Sie sind immer jeweils durch die unterschiedlichen Header (durch die Darstellung der Flügel) gekennzeichnet.

Der Stil ist sehr einfach gehalten. Anna Kleve macht keine großen Ausschweifungen und kommt meist direkt auf den Punkt. Dadurch lässt sich das Buch super schnell in einem Rutsch lesen.

Die Handlung selbst ist überschaubar – beide tun sich zusammen, um die entführte Vampirnichte zu retten und kommen sich dabei näher. Dafür ist es super cozy.

Das Buch ist vor allem zu empfehlen für Leute, die gern etwas Schnelles für zwischendurch lesen möchten und eine Mischung aus Romance und Fantasy mögen mit einer Prise Spice dazu.

27. März 2025

Rezension: Hell Followed with Us - Das Monster in uns

Originaltitel: Hell Followed with Us

Autor: Andrew Joseph White
Erschienen: 7. Juni 2022
Deutsche Ausgabe: 03. März 2025

Inhalt: Trans Junge Benji ist mit einem Virus infiziert, das ihn zu einem Seraph mutieren lässt, einem Monster, das die Fähigkeit besitzt, die Menschheit zu vernichten. Er flieht vor einer fundamentalischen Sekte, die ihn als Waffe einsetzen will und sich selbst als Engel bezeichnet, welche für die Postapokalypse verantwortlich sind. Zuflucht findet Benji in einem Zentrum für queere Jugendliche.

"Hell Followed With Us" ist ein Buch, das ich gern schon zehn Jahre früher gelesen hätte. Es hat mich unglaublich gefreut, über so viele trans und nichtbinäre Figuren zu lesen, noch dazu in einem postapokalyptischen Setting.

Die Beschreibungen sind sehr explizit und der Stil kurz und bündig, teils ellipsenartig, was speziell sein mag, aber zur düsteren Atmosphäre passt. Ebenfalls speziell, aber gut gelungen ist das Setting und die Einbindung religiöser Symbolik.

Sehr interessant ist die Raumgestaltung des Romans. Einer der Haupthandlungsorte ist ein Zentrum für queere Jugendliche, das ALC. Dem gegenüber steht Neu-Nazareth, der Wohnstätte der selbsternannten Engel, einer ökofaschistischen religiösen Sekte, die für die erste Apokalypse verantwortlich war. Während das ALZ als Schutzraum für queere Jugendliche unterschiedlicher Herkunft dient, ist Neu-Nazareth ein Ort der Unterdrückung und des Terrors. Die mutierten Monster, einst Menschen, und die durch ein Virus leergefegten Städte, Flut genannt, sind die manifestierten Schrecken, die aus religiösem Fanatismus resultieren.

Sowohl Benji als auch Nick sind gelungene Protagonisten, deren innere Konflikte authentisch und sensibel aufgearbeitet werden. Mir gefiel es sehr, dass man mit Benji eine trans Figur vor ihrer Transition und ohne Dysphorie hat, die trotzdem von den anderen als Junge akzeptiert wird. Gefallen haben mir auch die Kapiteleinschübe aus Nicks Sicht, wodurch man neben der Außensicht auch eine Innensicht von ihm erhält und gezeigt wird, welchen Herausforderungen er sich als Autist und gleichzeitig als Anführer des ALZ stellen muss.

Zu den Nebenfiguren hingegen lässt sich weniger gut eine Bindung aufbauen. Es leben viele Teenager im ALZ, einige von ihnen bestenfalls namentlich erwähnt. Die Story konzentriert sich sehr auf Benjis Entwicklung. Dennoch ist es toll, so viel positive queere Repräsentation in einem einzigen Buch zu finden.

Eine genauere Einordnung der Zielgruppe gestaltet sich als schwierig, da sowohl sehr gewalttätige Szenen und expliziten Body Horror als auch typische Jugendbuch-Elemente miteinander vereint werden. Im Vordergrund steht Benjis Auseinandersetzung mit der eigenen Identität (einmal mit dem eigenen Transsein und auf einer anderen Ebene mit der Verwandlung zum Seraph) und mit der ersten Liebe. Dessen sollte man sich als Leser*in vorher bewusst sein.

Insgesamt ist es ein solides Buch mit einem ungewöhnlichen Setting und sehr guter Repräsentation.